"Sündi"-Wald vor Räumung: Neue Proteste gegen RWE und Polizei im Hambacher Forst-Gebiet
Thies FreudenbergerWas Sie über die Rückeroberung des 'Sündlichen Waldes' wissen müssen - "Sündi"-Wald vor Räumung: Neue Proteste gegen RWE und Polizei im Hambacher Forst-Gebiet
Der "Sündi"-Wald bei der Hambacher Grube steht vor der Räumung – neue Proteste und Polizeieinsätze drohen
Der als "Sündi" bekannte "Kleine Sündenwald" in der Nähe des Tagebaus Hambach soll geräumt werden, was erneut zu Protesten und Polizeimaßnahmen führt. Die Stadt Kerpen hat das Betreten des Gebiets ab dem 20. Oktober verboten, noch vor dem geplanten Beginn der Baumfällungen am 1. Oktober. Die Aktion erinnert an die früheren Konflikte um den benachbarten Hambacher Forst, wo Aktivist:innen jahrelang mit den Behörden aneinandergerieten.
Das kleine Waldstück, lokal schlicht "Sündi" genannt, liegt östlich des Hambacher Forsts, genießt jedoch nicht denselben rechtlichen Schutz. Anders als sein größerer Nachbar fiel es nicht unter den "Braunkohle-Kompromiss" von 2020, der den Hambacher Forst vor weiterer Rodung bewahrte. Der Energiekonzern RWE besteht darauf, dass das Gebiet gerodet werden muss, um Kies abzubauen – ein Material, das benötigt wird, um die Ufer eines künftigen künstlichen Sees zu stabilisieren.
Im Januar entschied das Oberverwaltungsgericht Münster, dass die Rodung fortgesetzt werden darf, da keine Verstöße gegen Artenschutzgesetze vorlägen. RWE versichert, alle notwendigen Genehmigungen und ökologischen Prüfungen lägen vor. Doch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) NRW hält dagegen: Es gebe Alternativen, und die Zerstörung eines funktionsfähigen Ökosystems sei unverantwortlich. Kritiker:innen werfen zudem die Frage auf, ob das abgebauten Material tatsächlich für öffentliche Vorhaben genutzt wird – oder etwa für Projekte wie eine Yachthafen-Anlage.
Die rheinische Braunkohleregion ist von Jahrzehnten des Abbaus geprägt, der riesige Krater hinterlassen hat. Nordrhein-Westfalen plant, bis 2030 aus der Braunkohle auszusteigen; viele Tagebaue sollen zu Seen umgewandelt werden. Doch die Räumung des "Sündi" hat die Konflikte wieder aufgeflammt: Die Polizei bereitet sich auf großangelegte Einsätze vor, während Aktivist:innen sich gegen die Vertreibung wehren.
Trotz des Widerstands soll die Räumung wie geplant voranschreiten, die Baumfällungen beginnen ab dem 1. Oktober. Die Behörden betonen, alle rechtlichen und ökologischen Schritte seien eingehalten worden. Für die Aktivist:innen bleibt der Wald jedoch ein Symbol des Widerstands gegen die industrielle Ausbeutung der Region.






