Oktoberfest: Traum für Touristen, Albtraum für Anwohner wie Martin Stanek
Iwona KohlOktoberfest: Traum für Touristen, Albtraum für Anwohner wie Martin Stanek
Für Martin Stanek bedeutet das Leben in der Nähe des Münchner Oktoberfests jedes Jahr drei Wochen des Chaos. Seit sein Umzug vor drei Jahren in den Bavariaring hat seine Familie betrunkene Besucher, Lärm und Vandalismus ertragen müssen. Zwar schätzt er die lebhafte Atmosphäre des Festes, doch der hinterlassene Dreck und die Respektlosigkeit zehren an seinen Nerven.
Das Oktoberfest, von den Einheimischen einfach "Wiesn" genannt, dauert 16 bis 18 Tage – von Ende September bis zum ersten Oktoberwochenende. 1810 als königliche Hochzeitsfeier gestartet, lockt es heute rund sechs Millionen Besucher an. Eröffnet wird das Spektakel traditionell, wenn der Oberbürgermeister das erste Bierfass mit dem Ruf "O'zapft is!" ansticht. Doch für Anwohner wie Stanek schlägt die Vorfreude schnell in Frust um.
Betrunkene Festgäste torkeln regelmäßig in sein Haus, brechen auf dem Gehweg zusammen oder hinterlassen Urin und Kot vor seiner Tür. Blumentöpfe werden umgerissen, Flaschen zerschlagen, persönliche Gegenstände verschwinden. Selbst Prominente wie die Kaulitz-Brüder oder bekannte Fußballer sorgten bereits in seiner Straße für Aufsehen – und Ärger.
Stanek fordert mehr Polizeistreifen, um die schlimmsten Exzesse einzudämmen. Am meisten stört ihn die rücksichtslose Art mancher Gäste, die Sachen beschädigen oder sein Grundstück betreten. Wenn das Fest vorbei ist und am ersten Montag danach Ruhe einkehrt, empfindet er eine Mischung aus Erleichterung und leiser Wehmut – froh über die Stille, aber bewusst, dass auch schöne Erinnerungen bleiben.
Das Oktoberfest bleibt das größte Volksfest der Welt, das Besucher mit Bier, Fahrgeschäften und Tradition anzieht. Doch für Anwohner wie Stanek hinterlässt das Treiben oft vermüllte Straßen und strapazierte Geduld. Ohne strengere Regeln wird das Gleichgewicht zwischen Feiern und Belästigung weiter kippen.