NRW-Psychotherapeuten protestieren gegen drohende Honorarkürzungen und Wartezeiten
Iwona KohlNRW-Psychotherapeuten protestieren gegen drohende Honorarkürzungen und Wartezeiten
Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in ganz Nordrhein-Westfalen (NRW) bereiten sich auf Proteste am kommenden Donnerstag gegen geplante Honorarkürzungen vor. Die Kundgebungen finden in mehreren Großstädten statt, darunter Köln, Düsseldorf und Dortmund. Fachleute warnen, dass die Kürzungen die ohnehin angespannte Versorgung mit psychotherapeutischen Leistungen weiter verschärfen könnten. Patientinnen und Patienten in der Region müssen bereits jetzt lange auf Termine warten – im Schnitt fünf Monate allein für ein Erstgespräch.
Ab dem 1. April 2026 planen die Krankenkassen, die Erstattungssätze für psychotherapeutische Leistungen um 4,5 Prozent zu senken. Die Psychotherapeutenkammer NRW befürchtet, dass dieser finanzielle Druck es für gesetzlich Versicherte noch schwieriger machen wird, zeitnah eine Behandlung zu finden. Bereits heute sind die Kosten für einen Kassensitz – die Zulassung, die für die Abrechnung mit den gesetzlichen Kassen erforderlich ist – intransparent und können Zehntausende Euro betragen. Moritz Esser-Wolters etwa zahlte 50.000 Euro, um seine Praxis in Coesfeld zu eröffnen.
Deutschlandweit fehlen schätzungsweise 7.000 Kassensitze, besonders betroffen sind ländliche Regionen und Gebiete, deren Bedarfsplanung noch auf veralteten Daten aus den 1990er-Jahren basiert. Zudem verdienen Psychotherapeutinnen und -therapeuten hierzulande weniger als Haus- und Fachärzte, was die Situation zusätzlich belastet. Die Kammer warnt, dass weitere Kürzungen mehr Behandler dazu bringen könnten, das öffentliche System zu verlassen – mit der Folge noch längerer Wartezeiten und eingeschränkter Behandlungsmöglichkeiten.
Auch in Essen und Bielefeld wird protestiert. Dort argumentieren Therapeuten, die geplanten Änderungen gefährdeten die Stabilität der psychotherapeutischen Versorgung. Angesichts monatelanger Wartezeiten fürchten sie, dass sich die Lage weiter verschlechtern wird, wenn Praxen wirtschaftlich nicht mehr tragfähig sind.
Die geplante Kürzung der Vergütung um 4,5 Prozent soll Anfang 2026 in Kraft treten. Falls umgesetzt, könnte sie den bestehenden Mangel an zugelassenen Psychotherapeutinnen und -therapeuten in NRW und darüber hinaus weiter verschärfen. Patientinnen und Patienten mit gesetzlicher Krankenversicherung müssten dann noch länger auf eine Therapie warten, während die Praxen mit steigenden Kosten und sinkenden Erstattungen zu kämpfen hätten.






