Langzeitarbeitslose frustriert: Jobcenter helfen kaum bei der Jobsuche
Irmtraut BeckerFür fast jeden Zweiten ist ein Besuch beim Jobcenter sinnlos - Langzeitarbeitslose frustriert: Jobcenter helfen kaum bei der Jobsuche
Eine neue Umfrage offenbart wachsende Frustration unter Langzeitarbeitslosen in Deutschland. Fast die Hälfte der Befragten gibt an, dass Besuche beim Jobcenter ihre Jobchancen kaum verbessern. Die Ergebnisse kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Bundesregierung im kommenden Jahr eine Reform des Sozialsystems plant.
Die zwischen April und Juni 2025 durchgeführte Studie befragte über 1.000 arbeitslose Personen im Alter von 25 bis 50 Jahren, die seit mindestens einem Jahr Bürgergeld beziehen.
Trotz der Unzufriedenheit bewerteten die meisten Befragten das Personal der Jobcenter positiv. Über zwei Drittel zeigten sich mit der Unterstützung zufrieden, fast drei Viertel hielten die Mitarbeiter für kompetent. Doch die Umfrage deckte ein zentrales Problem auf: 46 Prozent der Bürgergeld-Empfänger sehen sich mit mehreren Hindernissen auf dem Weg zurück in den Arbeitsmarkt konfrontiert – etwa gesundheitlichen Problemen oder fehlenden Qualifikationen.
Vor der Einführung des Bürgergelds im Jahr 2023 hatte sich die Arbeitsmarktintegration von Langzeitarbeitslosen stabilisiert oder sogar verbessert. Seither sind die Integrationsquoten jedoch sowohl bei kommunalen als auch bei zugelassenen Jobcentern gesunken. Experten führen diesen Rückgang auf allgemeine wirtschaftliche Herausforderungen und die Folgen der Sozialreform zurück.
Der Bundestag hat nun ein neues System als Bürgergeld-Nachfolger beschlossen, das ab dem 1. Juli 2026 mit strengeren Regeln in Kraft treten soll. Die Bertelsmann Stiftung empfiehlt den Jobcentern, stärker auf Coaching, Qualifizierungsmaßnahmen und direkte Arbeitsvermittlung zu setzen. Bei Personen ohne größere Vermittlungshemmnisse rät der Bericht zu einer konsequenteren Förderung der Eigeninitiative bei der Stellensuche – selbst wenn dies die Zufriedenheit mit der Unterstützung verringern könnte.
Die Umfrageergebnisse zeigen eine Kluft zwischen den Bemühungen der Jobcenter und den Bedürfnissen Langzeitarbeitsloser. Angesichts der bevorstehenden Sozialreformen wird sich der Fokus voraussichtlich auf schärfere Auflagen und zielgenauere Förderung verlagern. Die Änderungen sollen die sinkenden Integrationsquoten umkehren und mehr Menschen den Weg zurück in Arbeit ebnen.