25 March 2026, 06:22

Gottesdienst im Marstallzelt: Stille Andacht mitten auf der Wiesn

Eine große Gruppe von Menschen sitzt an langen Tischen unter einem Zelt auf dem Oktoberfest in München, Deutschland, mit festlicher Dekoration und Taschen auf den Tischen.

Gottesdienst im Marstallzelt: Stille Andacht mitten auf der Wiesn

Ein Wiesn-Gottesdienst im Marstallzelt: Tradition inmitten des Oktoberfest-Trubels

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In der ersten Woche des Münchner Oktoberfests fand im Marstallzelt ein ungewöhnlicher Gottesdienst statt – eine Mischung aus Brauchtum und Spektakel, die einen seltenen Einblick in ein dorfähnliches Zusammenkommen ohne festen Platz oder Kirche bot. Während die Gesänge durch die Luft hallten, wurde die Veranstaltung zu einem besonderen Höhepunkt innerhalb des bunten Festtreibens.

Der Gottesdienst begann mit einem Halleluja, das von der Bühne ertönte, auf der sonst die Königlich Bayerische Vollgas-Orchesterkapelle spielt. Statt Bierkrügen reichte man einen einzelnen goldenen Kelch zwischen sechs Männern weiter, die im Rahmen des Rituals jeweils einen Schluck Wein nahmen. Die kleine Gruppe wirkte fast verloren in dem riesigen Zelt, ihre stille Andacht ein Gegenbild zur sonstigen Feststimmung.

An einer Stelle ergriff ein Mann das Mikrofon und sprach das Vaterunser mit den Worten: "Und führe uns nicht in Versuchung…" Da erhoben sich die Gäste von den Bierbänken, um gemeinsam "Lobt den Herren!" zu singen – ihre Stimmen füllten den Raum, in dem sonst Gelächter und das Klirren von Gläsern vorherrschen.

Diese Tradition hat tiefe Wurzeln in bayerischen und schwäbischen Gemeinden, wo Kirchweihfeste einst religiöse Andacht mit Erntedank verbinden. Zwar gibt es keine genauen Zahlen, doch noch heute feiern viele Dörfer ähnliche Feste, bei denen Glaube und Volksbrauchtum unter freiem Himmel verschmelzen.

Der Wiesn-Gottesdienst bot einen Moment der Besinnung inmitten des lebhaften Oktoberfest-Trubels. Er zeigte, wie alte Bräuche selbst in modernen Festräumen fortleben. Für die Anwesenden war der Gottesdienst nicht nur eine spirituelle Pause, sondern auch eine Erinnerung an die kulturellen Ursprünge des Festes.

Quelle