"Enkeltrick 2.0": Wie Betrüger Senioren mit Schock-Anrufen und WhatsApp-Nachrichten abzocken
Irmtraut BeckerAktionswoche gegen Schockanrufe - So arbeiten die Täter - "Enkeltrick 2.0": Wie Betrüger Senioren mit Schock-Anrufen und WhatsApp-Nachrichten abzocken
Ältere Bürger in ganz Deutschland sind einer wachsenden Welle von "Schock-Anrufen" ausgesetzt, bei denen Kriminelle sich als in Not befindliche Angehörige ausgeben. Die Betrüger nutzen gezielt Angst aus, um ihre Opfer zur Überweisung von Geld oder zur Preisgabe sensibler Daten zu drängen. Die Behörden warnen, dass bereits Tausende auf diese Masche hereingefallen sind – die Schäden gehen in die Millionen.
Typischerweise beginnt der Betrug mit einem überraschenden Anruf oder einer Nachricht über Dienste wie WhatsApp. Die Täter geben sich als Enkelkinder oder nahe Verwandte aus, die dringend Geld benötigen – oft erfinden sie Notlagen wie Verhaftungen oder Unfälle. Durch die erzeugte Panik sollen die Opfer zu unüberlegten Handlungen gedrängt werden.
Allein in Nordrhein-Westfalen wurden 2023 insgesamt 3.068 Fälle registriert, die auf im Ausland operierende Banden zurückgingen – die Opfer verloren dabei über 1,2 Millionen Euro. Im folgenden Jahr kamen 514 weitere Fälle aus Deutschland hinzu, wobei der Schaden auf 9,4 Millionen Euro anstieg. Die Polizei vermutet, dass viele Vorfälle nicht gemeldet werden, da ältere Betroffene sich schämen oder nicht wissen, wie sie Anzeige erstatten können.
Die Täter wählen ihre Opfer oft zufällig aus Telefonverzeichnissen aus, sodass grundsätzlich jeder zum Ziel werden kann. Um der Bedrohung zu begegnen, haben bis Anfang 2026 mindestens zehn Bundesländer – darunter Bayern und Baden-Württemberg – Aufklärungskampagnen gestartet. Die Behörden raten dazu, sofort aufzulegen, keine persönlichen Daten preiszugeben und Fremde niemals in die Wohnung zu lassen. Stattdessen sollten Betroffene die örtliche Polizei kontaktieren oder die Identität des Anrufers über vertraute Familienmitglieder überprüfen.
Die Betrüger passen sich modernen Mitteln an und nutzen zunehmend Messengerdienste, um glaubwürdiger zu wirken. Der psychologische Druck bleibt jedoch derselbe: Sie missbrauchen die Sorge um Angehörige, um Vorsicht außer Kraft zu setzen. Die finanziellen und emotionalen Folgen dieser Betrugsmaschen nehmen weiter zu, während organisierte Banden ihre Methoden verfeinern. Die Polizei betont, dass Vorbeugung entscheidend ist – wer die Warnsignale erkennt und nicht auf die Täter eingeht, kann den Betrug von vornherein stoppen. Bundesweite Aufklärungskampagnen und klare Meldewege werden nun ausgeweitet, um gefährdete Gruppen zu schützen.






