Wissenschaftler und Künstler warnen vor politischer Zensur an deutschen Hochschulen
Iwona KohlOffener Brief warnt vor politischem Druck auf Universit├Ąten - Wissenschaftler und Künstler warnen vor politischer Zensur an deutschen Hochschulen
Offener Brief von über 1.100 Wissenschaftlern, Künstlern und Kulturschaffenden warnt vor politischer Einmischung an deutschen Hochschulen und Kultureinrichtungen
Im Mittelpunkt der Debatte steht die Kunstakademie Düsseldorf, wo Rektorin Donatella Fioretti nach der Ausrichtung einer Veranstaltung mit der palästinensischen Künstlerin Basma al-Sharif mit Rücktrittsforderungen konfrontiert wird.
Der Streit begann 2023, als pro-palästinensische Instagram-Posts al-Sharifs, in denen sie Israel kritisierte, Vorwürfe des Antisemitismus auslösten. Trotz Protesten jüdischer Gruppen und Politiker – darunter Mona Neubaur – führte die Kunstakademie Düsseldorf die Veranstaltung im Januar 2026 durch, allerdings ohne öffentlichen Zugang, nachdem es in sozialen Medien zu Drohungen gekommen war.
Eine spätere juristische Prüfung ergab, dass al-Sharifs Äußerungen unter die Meinungsfreiheit fallen und strafrechtlich nicht relevant sind. Dennoch hielten die Kampagnen für Fiorettis Rücktritt an. Diese lehnte eine Demission ab, berief sich auf die künstlerische Freiheit und erhielt Rückhalt von der Mehrheit des Lehrkörpers und der Studierenden.
Der offene Brief, unterzeichnet von Persönlichkeiten wie dem Fotografen Wolfgang Tillmans und den Philosophinnen Susan Neiman und Nancy Fraser, verurteilt, was er als gefährlichen Präzedenzfall bezeichnet. Er warnt davor, dass politischer Druck und Einschüchterungsversuche die Autonomie der Hochschulen bedrohen. Die Unterzeichnenden weisen die Darstellung der AfD zurück, künstlerische und akademische Freiheit diene lediglich als "Tarnmantel" für umstrittene Positionen – eine Haltung, die ihrer Meinung nach die verfassungsmäßigen Garantien des Artikels 5 des Grundgesetzes untergräbt.
Fioretti soll am kommenden Mittwoch vor einer Sondersitzung des Ausschusses für Kultur und Medien des Landtags aussagen. Der Brief appelliert an die Abgeordneten, sich erneut klar zu Meinungsfreiheit und dem Verbot von Zensur zu bekennen.
Der Konflikt verdeutlicht die Spannungen zwischen dem Schutz der Redefreiheit und politischer Überprüfung in deutschen Kultureinrichtungen. Mit über 1.100 Unterstützern im Rücken rückt Fioretti nun in den Fokus der Politik, die abwägen muss zwischen künstlerischer Freiheit und öffentlicher Verantwortung.