Willich baut Kita-Angebot um – Eltern in Nord-Stadtteilen fühlen sich benachteiligt
Thies FreudenbergerWillich baut Kita-Angebot um – Eltern in Nord-Stadtteilen fühlen sich benachteiligt
Willich gestaltet seine Kinderbetreuungsangebote angesichts sinkender Geburtenraten und veränderter Nachfrage neu. Bis 2029 rechnet die Stadt mit einem Überschuss von 440 Betreuungsplätzen, was zu Schließungen, Verlegungen und Erweiterungen in mehreren Einrichtungen führen wird.
Eltern in den nördlichen Stadtteilen fühlen sich jedoch abgehängt, da vor Ort immer weniger Optionen zur Verfügung stehen. Dies wirft Fragen zur Attraktivität der Gegend für junge Familien auf.
Die Kita Alperhof wird in das generationenübergreifende Projekt Reinershof umziehen und dort Teil einer neuen Vier-Gruppen-Einrichtung werden. Das bisherige Gebäude wird abgerissen, und die Stadt kann aufgrund begrenzter Haushaltsmittel keinen Ersatzbau finanzieren. Pläne für einen Neubau am bisherigen Standort wurden verworfen.
Die Kita St. Irmgardis wird nach dem Kindergartenjahr 2026/2027 schließen. Das Gebäude wird anschließend an die Villa Kunterbunt vermietet, die dort ihr Angebot ausbauen wird – darunter Mittagsverpflegung und Ganztagsbetreuung – in den modernisierten und größeren Räumlichkeiten.
Die Anbindung an die nächstgelegene Kita wurde überprüft: Die Buslinien 55 und 56 benötigen nun 16 Minuten, mit dem Auto sind es neun Minuten. Das Brückenprojekt Schatzkiste des DRK endet am 31. Juli 2026, während das von der AWO betriebene Blaue Haus in Schiefbahn bis zum 31. Juli 2027 verlängerte Fördergelder erhält, bevor über eine mögliche Schließung entschieden wird.
In Nord-Willich sind die Geburtenraten seit dem Jahr 2000 um 25–30 Prozent gesunken – von etwa 12 auf 8–9 Geburten pro 1.000 Einwohner. Gleichzeitig ist der Anteil der über 65-Jährigen von 15 auf 22 Prozent gestiegen, was die Nachfrage nach Betreuungsplätzen weiter verringert hat.
Die Umstrukturierungen werden in Nord-Willich zu weniger Kita-Plätzen vor Ort führen. Familien in Anrath und Neersen müssen möglicherweise mit längeren Fahrten oder eingeschränktem Zugang zu nahegelegenen Einrichtungen rechnen. Die Anpassungen der Stadt zielen darauf ab, das Angebot an die sinkende Nachfrage anzupassen – doch die Auswirkungen auf junge Familien bleiben ein zentrales Thema.