21 January 2026, 08:49

Wie das Bonner Haus der Geschichte aus einer Million Schätzen auswählt

Eine alte Postkarte, die eine deutsche Stadt mit Gebäuden, Bäumen, Menschen, Karren, einer Statue, einem Zaun und einem bewölkten Himmel zeigt, zusammen mit handgeschriebenem Text.

Wie das Bonner Haus der Geschichte aus einer Million Schätzen auswählt

Das Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn verwahrt über eine Million Objekte, die die Entwicklung der Nation von 1945 bis heute erzählen. Jährlich kommen rund 5.000 neue Exponate hinzu – doch nur ein Bruchteil davon wird jemals der Öffentlichkeit präsentiert.

Die Auswahl des Museums ist gezielt und durchdacht. Unter der Leitung von Sammlungsdirektor Manfred Wichmann konzentriert es sich auf Gegenstände, die gesellschaftliche Umbrüche widerspiegeln – nicht nur politische oder technologische Meilensteine. Objekte mit Bezug zu prägenden Ereignissen, wie der Ahrtal-Flut 2021, werden sorgfältig geprüft, aber längst nicht alle ausgestellt. So lagern etwa die Gummistiefel der Feuerwehrleute Rudolf P. und Anton R., die bei der Katastrophe im Einsatz waren, weiterhin im Depot – ohne konkrete Pläne für eine Präsentation.

Spenden aus der Bevölkerung sind willkommen, doch viele Angebote werden abgelehnt. Das Museum vermeidet Dopplungen und nimmt keine Stücke an, die bereits in seinen Archiven vertreten sind. Selbst bei einer Aufnahme gibt es keine Garantie, dass ein Objekt jemals das Depot verlässt: Nur ein kleiner Teil der Sammlung ist zu jedem Zeitpunkt zu sehen. Die Sicherheit der gelagerten Exponate hat höchste Priorität. Nur wenige Mitarbeiter haben Zugang zu den streng bewachten Depots, in denen die Gegenstände darauf warten, eines Tages Teil der musealen Erzählung zu werden. Die Erforschung der Herkunft jedes Stücks gehört zum Prozess – doch gesellschaftliche Strömungen nachzuzeichnen, erweist sich als schwieriger als die Dokumentation einzelner Ereignisse.

Mit seiner strengen Sammlungspolitik und begrenzten Ausstellungsfläche bewahrt das Museum einen sorgfältig kuratierten Ausschnitt deutscher Geschichte. Der überwiegende Teil der über eine Million Objekte bleibt der Öffentlichkeit verborgen – sicher verwahrt für künftige Forschungen oder Ausstellungen. Dieser Ansatz stellt sicher, dass nur die relevantesten Exponate die Geschichte prägen, die innerhalb seiner Mauern erzählt wird.