Wasserstoffbranche zwischen Boom und Ernüchterung: Nel ASA glänzt, andere kämpfen
Doris DowergWasserstoffbranche zwischen Boom und Ernüchterung: Nel ASA glänzt, andere kämpfen
Die Wasserstoffbranche sendet gemischte Signale: Während einige Unternehmen kämpfen, treiben andere große Projekte voran. Investoren zeigen sich zunehmend vorsichtig bei Überinvestitionen in KI, doch Wasserstofffirmen wie Nel ASA und ITM Power sichern sich weiterhin wichtige Aufträge. Gleichzeitig offenbaren Kursbewegungen und operative Herausforderungen eine unsichere Zukunft für die Branche.
Nel ASA hat seine Position als führender Hersteller von Elektrolyseuren von 2024 bis 2026 weiter gestärkt. Das norwegische Unternehmen realisiert eine 500-Megawatt-HERMES-Anlage in Norwegen, deren Fertigstellung für 2025 geplant ist, und erhielt 50 Millionen US-Dollar vom US-Energieministerium zur Modernisierung seiner PEM-Technologie. Diese Fortschritte halfen Nel, sich gegen Konkurrenten wie ITM Power durchzusetzen, das mit Verzögerungen bei Projekten in Großbritannien und finanziellen Verlusten zu kämpfen hat, sowie gegen Bloom Energy, das sich stärker auf Brennstoffzellen als auf die Wasserstoffexpansion konzentriert. Im ersten Quartal 2026 stieg Nel's Umsatz um 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – dank einer Senkung der Produktionskosten um 20 Prozent.
Trotz dieser Erfolge pendelt der Aktienkurs von Nel ASA knapp über seinem Allzeittief von 0,17 Euro. Am Montag eröffnete die Aktie in Stuttgart mit einem Plus von 2,5 Prozent bei 0,192 Euro, da eine kleine Gruppe von Investoren optimistisch blieb. Unterdessen kündigte ITM Power die finale Investitionsentscheidung für ein weiteres Großprojekt an, steht aber weiterhin unter Druck, Ergebnisse vorzuweisen, um den Aktienkurs zu stützen.
Bloom Energy, ein weiterer wichtiger Akteur, verzeichnete am Freitag einen Kursrückgang von 1,7 Prozent auf 154,51 US-Dollar. Das Unternehmen hatte zwar im vergangenen Jahr einen großen Brennstoffzellen-Auftrag mit Oracle abgeschlossen, doch die Erwartungen an weitere Deals wurden nicht erfüllt, was das Anlegervertrauen schwächte. Zudem erhielt Bloom eine 200-Millionen-Dollar-Förderung des US-Energieministeriums, doch die Expansion in den Wasserstoffbereich verläuft im Vergleich zu Nel ASA langsamer.
Auch operative Probleme belasten die Branche. Das kommunale Entsorgungsunternehmen in Bielefeld meldete Schwierigkeiten mit seinen wasserstoffbetriebenen Müllfahrzeugen, darunter Treibstoffknappheit und Zuverlässigkeitsprobleme. Trotz dieser Rückschläge bleibt die Stadt dem Wasserstoff engagiert und wertet die Probleme als Kinderkrankheiten.
Die Wasserstoffbranche bewegt sich zwischen Chancen und Hindernissen. Nel ASAs Umsatzwachstum und Projektgewinne stehen im Kontrast zu den schwachen Aktienkursen, während Bloom Energy und ITM Power mit Skepsis der Investoren konfrontiert sind. Steigende Ölpreise könnten die weitere Entwicklung der Branche prägen, doch operative und finanzielle Herausforderungen bleiben vorerst bestehen.