Warum wir dringend weniger Meinungen brauchen – und mehr Stille
Meinungen füllen mittlerweile Talkshows, Podcasts und Online-Foren. Sie werden in schier endlosen Mengen produziert – für jeden zum Konsumieren. Die Welt scheint einen unerschöpflichen Vorrat davon zu haben.
Allein in der vergangenen Woche stieß der Autor auf vehemente Standpunkte zum Nahostkonflikt, zu Windrädern und zu veganen Torwarthandschuhen. Der ständige Strom an Meinungen ließ kaum Raum für Stille. Schweigen scheint fast schon verpönt.
Der Autor malt sich sogar aus, wie die Natur selbst zu urteilen beginnt: Ein Kaktus stöhnt über modische Fehltritte, Mücken hinterlassen beißende Bewertungen. Selbst das Mittelmeer wird sich vorgestellt, wie es Urlauber nach ihrem Verhalten sortiert – wer laute Musik spielt, wird von Quallen gestochen.
Als Lösung schlägt der Autor vor, jedem Menschen ein tägliches Kontingent von drei Meinungen zuzugestehen. Alles, was darüber hinausgeht, müsste von einem Rebhuhn genehmigt werden. Die Idee zielt darauf ab, der wachsenden Gewohnheit entgegenzuwirken, jeden Gedanken öffentlich zu teilen.
Der Vorschlag bietet einen Weg, die Meinungsflut einzudämmen. Gleichzeitig zeigt er, wie selten Räume ohne Bewertung geworden sind. Viele Menschen suchen gerade deshalb die Natur auf – weil sie schweigt.
