26 April 2026, 08:22

Warum Fußballer von "Biss" und "Ekel" sprechen – und was dahintersteckt

Schwarze und weiße Zeichnung von Menschen und Tieren auf einem Feld mit einer Wand und Fenstern im Hintergrund, mit dem Text "Zähigkeit im Fußball kultivieren" unten.

Warum Fußballer von "Biss" und "Ekel" sprechen – und was dahintersteckt

Fußballtrainer und Spieler greifen oft zu drastischen Formulierungen, um ihre Herangehensweise an das Spiel zu beschreiben. Begriffe wie erbarmungslos, gnadenlos oder sogar ekelerregend sind in Kabinen und Pressekonferenzen längst Alltag. Doch was steckt wirklich hinter diesen Worten – und wie prägen sie die Leistung auf dem Platz?

Bundestrainer Julian Nagelsmann forderte kürzlich von seinen Spielern Gier und Biss vor dem Spiel gegen Nordirland. Seine Aussage spiegelt einen größeren Trend im Fußball wider, bei dem Intensität in extremen Bildern beschrieben wird. Joshua Kimmich, Mittelfeldspieler des FC Bayern München, bezeichnet sich selbst als noch verbissener, noch zäher, noch gnadenloser – Eigenschaften, die seiner Meinung nach Spitzenspieler auszeichnen.

Manche gehen noch weiter. Einige Spieler behaupten, es solle sich für Gegner ekelig anfühlen, gegen sie zu spielen – ein Gefühl der Unbehaglichkeit soll bleiben. Der Begriff Ekel selbst hat tiefere Wurzeln, wie Jean-Paul Sartre in seinem Roman Der Ekel (1938) erforschte, doch im Fußball wird er weit wörtlicher verwendet.

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Doch nicht alle lassen sich von dieser Rhetorik überzeugen. Ein Team demontierte kürzlich Bayer Leverkusen mit 7:0 – ganz ohne Biss oder Aggression. Stattdessen siegten sie durch Technik, Präzision und eiskaltes Finish. Maximilian Philipp, Stürmer des SC Freiburg, wurde dagegen einmal im Training kritisiert, weil er nicht verbissen genug gewesen sei – ein Kommentar, der zeigt, wie subjektiv solche Erwartungen sein können.

Die Diskussion geht über Taktik hinaus. Manche Trainer bestehen darauf, dass Spieler sich zwischen Hunger und Biss entscheiden müssten, als wären beides Gegensätze. Andere, wie die Verantwortlichen bei Arminia Bielefeld, führen ihren Erfolg darauf zurück, deutlich verbissener als die Gegner zu sein. Selbst die Wissenschaft bringt eine überraschende Wendung ins Spiel: Biologisch entsteht bittere Galle erst nach fettigem Essen – die Metapher vom Biss ist also wörtlich genommen unmöglich, wenn man gleichzeitig Hunger hat.

Vorerst bleibt die Sprache der Verbissenheit und des Ekels fester Bestandteil des Fußballvokabulars. Ob sie tatsächlich Ergebnisse verändert, ist schwer messbar. Klar ist: Trainer und Spieler werden weiterhin zu drastischen Bildern greifen, um jenen kleinen Unterschied zu beschreiben, von dem sie glauben, dass er Spiele entscheidet.

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