27 April 2026, 00:30

Warum der Widerstand gegen den Kapitalismus seit den 1970ern scheitert – eine kritische Bestandsaufnahme

Schwarze und weiße Zeichnung einer Menge, die eine Straße zwischen Gebäuden entlanggeht, mit Text oben und unten, der "Die Unionistendemonstration, wie sie vom Western Mail Office aus gesehen wird" lautet.

Warum der Widerstand gegen den Kapitalismus seit den 1970ern scheitert – eine kritische Bestandsaufnahme

Eine neue Anthologie untersucht, warum sich der Widerstand gegen den Kapitalismus in den letzten Jahrzehnten so schwergetan hat. "Krise der Kritik? Gegner des Kapitalismus im neoliberalen Zeitalter" analysiert den Niedergang linker Widerstandsbewegungen seit den 1970er-Jahren. Das Buch argumentiert, dass das Verständnis dieser Schwäche entscheidend ist, um die gesellschaftlichen Veränderungen der vergangenen 50 Jahre zu begreifen.

Der Aufstieg des Neoliberalismus seit den 1970er-Jahren wird in der Forschung auf zwei Hauptweisen erklärt: Einige Wissenschaftler:innen verweisen auf strukturelle Verschiebungen im Kapitalismus selbst, andere betonen die Verbreitung neoliberaler Ideen als treibende Kraft. Dennoch bleibt der Begriff "Neoliberalismus" umstritten – oft wird er unvollständig dargestellt, indem er als eigenständige Phase und nicht als Teil eines breiteren kapitalistischen Trends verstanden wird.

Das Scheitern der Linken, neoliberale Reformen wirksam zu bekämpfen, ist ein zentrales Thema. Selbst sozialdemokratische und linksliberale Parteien setzten in Krisenzeiten zunehmend marktfreundliche Politiken durch. In den 1990er-Jahren entstand zwar in Deutschland die Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS), doch sie füllte vor allem eine Lücke, die die SPD hinterlassen hatte, statt eine starke antikapitalistische Opposition neu zu beleben.

Auch die Kritik am Kapitalismus hat sich im Laufe der Zeit gewandelt. Die Proteste von 1968 verbanden konsumkritische Argumente mit grundsätzlichen Systemfragen. Die Konsumkritik, die individuelle Ausgabengewohnheiten ins Visier nimmt, war bereits während des Nachkriegbooms aufgekommen. Sie verlief jedoch parallel zu – und ersetzte nicht – tiefgreifenderen Kapitalismuskritiken.

Die Anthologie warnt davor, dass aktuelle Kritik am Neoliberalismus früherer Formen des Kapitalismus verklärend gegenübersteht. Eine überzeugendere Alternative, so die These, erfordere eine intensivere Auseinandersetzung mit wirtschaftstheoretischen Grundlagen. Ohne diese droht der Widerstand gegen den Kapitalismus zersplittert und wirkungslos zu bleiben.

Das Buch zeigt auf, wie linke Bewegungen seit den 1970er-Jahren an Einfluss verloren haben. Es wird deutlich, dass sowohl strukturelle Veränderungen als auch ideologische Verschiebungen die Gegenwehr gegen den Kapitalismus schwächten. Für eine wirksamere Kritik müsste die Linke möglicherweise ihren Zugang zu wirtschaftlicher Analyse und systemischen Alternativen grundlegend überdenken.

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