Vom Mitarbeiter zum Chef: Wie ein 33-Jähriger die Eisenhut-Apotheke in Siegen rettete
Doris DowergVom Mitarbeiter zum Chef: Wie ein 33-Jähriger die Eisenhut-Apotheke in Siegen rettete
Benjamin Althof hat sich mit der Übernahme der Eisenhut-Apotheke in Siegen einen langgehegten Traum erfüllt. Der 33-Jährige kaufte das Unternehmen im Januar 2025 – nach acht Jahren Tätigkeit unter dem früheren Inhaber Torsten Heide. Seine Entscheidung fällt in eine Zeit, in der viele deutsche Apotheken ums Überleben kämpfen oder kaum Nachfolger finden.
Erst Anfang 2025 sprach Althof seinen Chef direkt auf die Übernahme an. Gemeinsam begannen sie mit der Planung des Übergangs, trotz der damit verbundenen finanziellen Risiken. Die Finanzierung des Kaufs erforderte ein beträchtliches Darlehen – ein Schritt, der Althof viel Mut abverlangte.
Fast drei Jahrzehnte lang hatte Heide die Apotheke geleitet. Althofs jahrelange Erfahrung als Mitarbeiter verschaffte ihm tiefgehende Einblicke in Arbeitsabläufe, Teamdynamik und Kundenfrequenz – Wissen, das ihm nun als Inhaber zugutekommt.
Die ersten Wochen der Selbstständigkeit waren geprägt von Bürokratie und Verwaltungsaufgaben. Mittlerweile kann sich Althof jedoch wieder stärker der pharmazeutischen Arbeit widmen. Das Team ist auf zwölf Mitarbeiter angewachsen, sodass die Apotheke gut besetzt bleibt.
Seine Übernahme erfolgt zu einer Zeit, in der der deutsche Apothekenmarkt vor wachsenden Herausforderungen steht. 2023 schlossen 497 Apotheken, wodurch die Gesamtzahl von 18.068 auf 17.571 sank. Im Folgejahr war der Rückgang noch deutlicher: Mit 530 Schließungen – dem höchsten jährlichen Verlust seit Beginn der Aufzeichnungen – verbliebene Ende 2024 nur noch 17.041 Apotheken. Aktuelle Insolvenzdaten aus dem Frühjahr 2025 zeigen besonders starke Belastungen in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz.
Die Suche nach Nachfolgern gestaltet sich zunehmend schwierig, bedingt durch verschärfte wirtschaftliche Rahmenbedingungen und demografische Veränderungen. Laut Apobank sind mittlerweile rund 40 Prozent der selbstständigen Apotheker über 55 Jahre alt – viele von ihnen müssen sich daher in Kürze mit der Nachfolgeplanung auseinandersetzen.
Mit Althofs Kauf ist die Zukunft der Eisenhut-Apotheke in Siegen vorerst gesichert. Das Unternehmen arbeitet weiterhin mit einem vollständigen Team, während die Branche insgesamt mit Schließungen und einer alternden Belegschaft zu kämpfen hat. Sein Weg vom Angestellten zum Inhaber steht dabei sowohl für persönlichen Ehrgeiz als auch für die strukturellen Herausforderungen, vor denen unabhängige Apotheken heute stehen.