Virtuelle Fahrspuren sollen den Stadtverkehr der Zukunft revolutionieren
Irmtraut BeckerVirtuelle Fahrspuren sollen den Stadtverkehr der Zukunft revolutionieren
Neues Forschungsprojekt will Stadtverkehr mit "virtuellen Fahrspuren" revolutionieren
Ein neues Forschungsvorhaben zielt darauf ab, den urbanen Verkehr durch die Einführung "virtueller Straßenabschnitte" für automatisierte Logistikfahrzeuge grundlegend zu verändern. Die Initiative ViDeLL (Virtuelle Dedizierte Logistikspuren), geleitet von der RWTH Aachen, will die Flexibilität und Effizienz im Stadtverkehr steigern – und das ohne physische Eingriffe in die Infrastruktur. Experten warnen, dass der wachsende Güterverkehr die Straßen bald an ihre Grenzen bringen könnte, falls keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden.
Der Lehrstuhl für Production Engineering of E-Mobility Components (PEM) der RWTH Aachen hat ViDeLL ins Leben gerufen, um ein Verkehrskonzept mit dynamischen, virtuellen Spuren zu entwickeln. Diese Spuren sollen mithilfe von Echtzeitdaten und optischen Komponenten temporär Raum für Logistikfahrzeuge reservieren – ohne teure, fest installierte Sonderwege. Im Rahmen des Projekts werden geeignete Einsatzszenarien in Ballungsräumen analysiert, insbesondere für die Last-Mile-Zustellung, den Einzelhandelslogistikverkehr und den industriellen Transport zwischen Produktionsstandorten.
Zum Konsortium gehören das Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI, die Technische Universität Dresden, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) sowie Industriepartner wie Siemens Mobility. Gemeinsam entwickeln sie Algorithmen, um die virtuellen Spuren zu steuern und sichere Interaktionen zwischen automatisierten Logistikfahrzeugen und anderen Verkehrsteilnehmern zu gewährleisten. Ein zentrales Ziel ist die Schaffung eines rechtlich belastbaren Rahmens für die Integration dieser Systeme in bestehende Verkehrsnetze. Auch regulatorische Hürden werden angegangen: Das Team schlägt politische Anpassungen vor, um die neue Technologie zu fördern. Professor Achim Kampker, Leiter des PEM-Lehrstuhls, betonte, dass ohne Innovationen die steigenden Gütervolumina den Stadtverkehr lahmliegen könnten. Das Projekt wird gemeinsam von der Landesregierung Nordrhein-Westfalens und der EU finanziert.
ViDeLL soll eine technische, wirtschaftliche und rechtliche Blaupause für virtuelle Logistikspuren liefern. Bei Erfolg könnte das System Staus verringern – und das zu geringeren Kosten als klassische Infrastrukturausbauten. Die Ergebnisse könnten zudem künftige Regelwerke für den automatisierten Stadtverkehr prägen.