Tönnies führt Schutzversicherung gegen Afrikanische Schweinepest für Landwirte ein
Thies FreudenbergerTönnies führt Schutzversicherung gegen Afrikanische Schweinepest für Landwirte ein
Der Fleischproduzent Tönnies hat ein neues Versicherungskonzept eingeführt, um Landwirte vor finanziellen Verlusten durch Tierseuchenausbrüche, insbesondere der Afrikanischen Schweinepest, abzusichern. Der Schritt erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Seuche weiter in Deutschland ausbreitet – allein in Nordrhein-Westfalen wurden über 300 tote Wildschweine gemeldet.
Die sogenannte 'Haftungsschutz-Versicherung' deckt Lücken in Standardpolicen ab und verhindert, dass Landwirte persönlich haften müssen und dadurch ihre Existenz gefährdet wird. Das Programm tritt sofort für alle Lieferanten in Kraft, die Tiere an Tönnies zur Schlachtung liefern.
Die Afrikanische Schweinepest bleibt eine ernste Bedrohung für die deutsche Nutztierhaltung. Die hochansteckende und fast immer tödlich verlaufende Krankheit hat bereits zur Keulung infizierter Tiere und zur Vernichtung ihres Fleisches geführt. In Nordrhein-Westfalen starben über 300 Wildschweine an dem Virus, wobei alle Fälle auf die Kreise Olpe und Siegen-Wittgenstein beschränkt blieben. Bundesweit gab es Ausbrüche in Hessen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Sachsen hingegen erklärte die Seuche im Februar 2026 für ausgerottet.
Tönnies, einer der größten Fleischverarbeiter Deutschlands, hat seine Einkaufsbedingungen überarbeitet: Lieferanten müssen nun garantieren, dass bei der Anlieferung keine meldepflichtigen Tierkrankheiten, wie die Afrikanische Schweinepest, vorliegen. Das Unternehmen betreibt acht Schlachthöfe und verarbeitete 2024 insgesamt 13,2 Millionen Schweine und 400.000 Rinder. Im vergangenen Jahr musste Tönnies jedoch einen herben Rückschlag hinnehmen, als 1.000 Tonnen Fleisch vernichtet werden mussten, nachdem in einer Einrichtung in Mecklenburg-Vorpommern infizierte Tiere entdeckt worden waren.
Die neue Versicherung springt ein, wenn die bestehende Absicherung der Landwirte nicht ausreicht, und schützt sie so vor dem finanziellen Ruin. Aktuell trägt Tönnies die Kosten des Programms, plant jedoch, diese langfristig auf die Lieferanten umzulegen – Schätzungen zufolge mit einem niedrigen zweistelligen Cent-Betrag pro Tier. Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) begrüßte die Initiative und betonte, sie verringere existenzbedrohende Risiken für Landwirte und Händler und sorge für mehr Rechtssicherheit bei Schadensfällen.
Das Versicherungskonzept bietet den Tönnies-Lieferanten sofortige Unterstützung und deckt mögliche Deckungslücken in ihren bestehenden Policen ab. Angesichts der weiterhin aktiven Afrikanischen Schweinepest in mehreren Regionen soll die Maßnahme die Stabilität des Viehzuchtsektors stärken. Zwar werden die Landwirte die Kosten langfristig mittragen, doch die Absicherung bietet ein entscheidendes Sicherheitsnetz gegen finanzielle Verluste durch Seuchenausbrüche.