Thyssenkrupp verkauft Stahlanteile und setzt auf Wasserstoffexpansion in Indien
Irmtraut BeckerThyssenkrupp verkauft Stahlanteile und setzt auf Wasserstoffexpansion in Indien
Thyssenkrupp hat zugestimmt, seinen Anteil an den Stahlwerken Krupp Mannesmann (HKM) bis Juni 2026 an Salzgitter AG zu verkaufen. Der Deal markiert einen bedeutenden Wandel im Stahlgeschäft des Konzerns, der sich weiterhin mit anhaltenden Marktproblemen konfrontiert sieht. Gleichzeitig baut das Unternehmen seine Wasserstoffsparte in Indien aus – ein strategischer Schritt weg von der klassischen Stahlproduktion.
Der deutsche Industriegigant kämpft seit Jahren mit seiner Stahlsparte. Zwischen 2021 und 2025 sank die Rohstahlproduktion von etwa 11 Millionen Tonnen auf rund 9 Millionen Tonnen. Konkurrenten wie ArcelorMittal und Tata Steel hielten demgegenüber deutlich höhere Produktionsvolumina von etwa 70 Millionen beziehungsweise 30 Millionen Tonnen. Thyssenkrupps Rückgang war auf Werksschließungen, operative Probleme und die Fokussierung auf grünen Stahl sowie Wasserstoffprojekte zurückzuführen.
Der Verkauf des HKM-Anteils folgt auf die Entscheidung, die Lieferverträge für Brammen an die Hüttenwerke bereits Ende 2028 – vier Jahre früher als geplant – zu beenden. Diese Beschleunigung unterstreicht die Bemühungen des Unternehmens, sein Stahlgeschäft angesichts hoher Kosten und schwacher Marktnachfrage umzustrukturieren.
Trotz dieser Herausforderungen ist der Aktienkurs von Thyssenkrupp im vergangenen Jahr um etwa 152 Prozent gestiegen. Anleger scheinen die Umstrukturierungsstrategie positiv aufzugreifen, insbesondere das Wachstum der Wasserstofftochter Nucera. Mit Unterstützung der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) expandiert Nucera nun nach Indien und diversifiziert so das Portfolio des Konzerns weiter.
Am 12. Februar 2026 wird Thyssenkrupp die Finanzzahlen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 vorlegen. Die Veröffentlichung wird zeigen, wie sich diese strategischen Weichenstellungen auf die Gesamtperformance auswirken.
Der Verkauf des HKM-Anteils und die vorzeitige Beendigung der Lieferverträge werden die Stahlaktivitäten von Thyssenkrupp neu ausrichten. Gleichzeitig unterstreicht die Wasserstoffexpansion in Indien den breiteren Wandel hin zu nachhaltigen Energieprojekten. Der nächste Finanzbericht wird aufzeigen, ob diese Schritte die Position des Unternehmens in einem schwierigen Marktumfeld stabilisieren.