Sunoco übernimmt TanQuid – doch die Kritik an der deutschen Energiepolitik wächst
Irmtraut BeckerSunoco übernimmt TanQuid – doch die Kritik an der deutschen Energiepolitik wächst
Deutschlands größter Tanklagerbetreiber TanQuid an US-Energiekonzern Sunoco verkauft
Der größte deutsche Tanklagerbetreiber TanQuid wurde an das US-amerikanische Energieunternehmen Sunoco verkauft. Das Wirtschaftsministerium gab dem Deal zwar grünes Licht, knüpfte die Zustimmung jedoch an strenge Auflagen, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Kritiker warnen jedoch, dass die Übernahme erhebliche Risiken für die deutsche Energieunabhängigkeit sowie für die Klimaziele birgt.
Das Bundeswirtschaftsministerium erteilte die Genehmigung nach einer Prüfung gemäß dem Außenwirtschaftsrecht. Im Rahmen der Zustimmung muss Sunoco die kontinuierliche Lieferfähigkeit garantieren – insbesondere bei kritischen Ressourcen wie militärischem Kerosin. Die Transaktion reiht sich damit in eine Serie von Übernahmen durch nicht-europäische Investoren ein, darunter Unternehmen aus den USA und China, die zunehmend unter verschärfter Prüfung stehen.
Ähnliche Auflagen gab es bereits in Hamburg: Der staatliche chinesische Logistikkonzern COSCO durfte Teile eines örtlichen Tunnels übernehmen, während der kanadische Luftfahrtkonzern Avialliance eine 49-Prozent-Beteiligung am Hamburger Flughafen erworben hatte. Doch die TanQuid-Übernahme stößt auf besonders starken Widerstand.
Umweltverbände und Politiker üben scharfe Kritik an der Entscheidung. Die Greenpeace-Expertin Nina Noelle warnte, die Übernahme gefährde die deutsche Energiesicherheit und die Klimaschutzverpflichtungen. Michael Kellner, energiepolitischer Sprecher der Grünen, betonte, dass "kritische Infrastruktur niemals ohne wasserdichte Schutzklauseln aus der Hand gegeben werden dürfe". Das Ministerium hält dagegen, es bestehe kein Risiko für die Versorgungssicherheit – doch die Skepsis bleibt.
Sunoco ist eine Tochtergesellschaft des US-Energiekonzerns Energy Transfer, der enge Verbindungen zu umstrittenen politischen Kreisen unterhält. Der Vorstandsvorsitzende Kelcy Warren gilt als großer Förderer der Make America Great Again-Bewegung und als enger Verbündeter des früheren US-Präsidenten Donald Trump. Diese Verknüpfung verstärkt die Vorbehalte gegenüber dem Deal.
Die Übernahme von TanQuid durch Sunoco geht unter strengen Regierungsauflagen voran. Der Fall verdeutlicht die anhaltenden Spannungen zwischen wirtschaftlichen Interessen, deutscher Energiesicherheit und politischem Einfluss. Beobachter werden nun genau prüfen, ob die vereinbarten Schutzmechanismen in der Praxis wirksam sind.