Spielzeugindustrie verlässt China – doch die neuen Standorte bringen Probleme mit sich
Irmtraut BeckerSpielzeugindustrie verlässt China – doch die neuen Standorte bringen Probleme mit sich
Die globale Spielzeugindustrie steht vor einem Umbruch: Immer mehr Unternehmen verlagern ihre Produktion aus China. Jahrzehntelang war das Land der unangefochtene Hauptproduzent, doch steigende Zölle und Handelskonflikte zwingen die Hersteller nun zum Umdenken. Der deutsche Spielwarenhersteller Tonies eröffnete kürzlich ein Werk in Vietnam – ein weiterer Schritt in der Diversifizierung der Lieferketten.
Im April nahm Tonies sein neues vietnamesisches Werk in Betrieb, zeitgleich mit der Ankündigung von US-Präsident Trump, Zölle auf wichtige Handelspartner zu erheben. Der Schritt folgte auf die US-Sonderzölle auf chinesische Importe aus dem Jahr 2018, die europäische Hersteller zum Umzug bewogen. Unternehmen wie Lego erweiterten ihre Standorte nach Vietnam, Bosnien und Tunesien, wodurch Chinas Anteil an der weltweiten Spielzeugproduktion von etwa 80 auf voraussichtlich 60 Prozent im Jahr 2025 sinken wird.
Zwar sollen die Verlagerungen die Zollkosten senken, doch bringen sie neue Herausforderungen mit sich: Die Logistikkosten steigen, und die Qualitätssicherung an den neuen Standorten gestaltet sich schwierig. Tonies verlegte etwa die Produktion seiner Toniebox 2 nach Vietnam, um US-Zölle zu umgehen – doch die nach wie vor in China hergestellten Figuren des Unternehmens unterliegen weiterhin höheren Abgaben. Die Preise für beliebte Charaktere sind dadurch gestiegen.
Von den Handelskonflikten betroffen sind auch kleinere Anbieter. Der deutsche Brettspielhersteller Amigo Spiele schloss im Oktober seine US-Niederlassung. Steigende Frachtkosten, teurere Komponenten und Marktunsicherheiten machten den Betrieb unrentabel. Trotz dieser Schwierigkeiten wuchsen die US-Spielzeugumsätze in den ersten neun Monaten des Jahres um sieben Prozent – und das, obwohl die Preise im Schnitt um vier Prozent stiegen.
Die USA bleiben der weltweit größte Spielzeugmarkt und ziehen europäische Hersteller trotz der Turbulenzen an. Tonies verzeichnete Anfang 2024 einen Umsatzanstieg von fast 30 Prozent, wobei die Hälfte der Erlöse aus den USA stammte.
Die Branche reagiert, indem sie die Produktion auf mehrere Länder verteilt. Zwar verringert dies die Abhängigkeit von China, doch gehen damit neue Kosten und Komplexitäten einher. Die Spielzeugindustrie wächst zwar weiter, doch die Unternehmen müssen nun Zölle, Logistik und Qualität in immer fragmentierteren Lieferketten unter einen Hut bringen.