Rheinwasser für Tagebaue: Warum das umstrittene Flutungsprojekt auf Widerstand stößt
Thies FreudenbergerRheinwasser für Tagebaue: Warum das umstrittene Flutungsprojekt auf Widerstand stößt
Ein umstrittenes Vorhaben, ehemalige Braunkohletagebaue mit Rheinwasser zu fluten, nimmt trotz wachsender Bedenken hinsichtlich Sicherheit und Umweltgefahren konkrete Formen an. Das Projekt sieht eine 45 Kilometer lange Pipeline vor, die Wasser in die Gruben Hambach, Garzweiler und Inden leiten soll – die Flutung soll ab 2030 beginnen. Kritiker, darunter lokale Aktivisten und Umweltschutzverbände, warnen vor möglichen Wasserverschmutzungen und langfristigen ökologischen Schäden.
Für die Umsetzung ist eine gewaltige Rohrleitung nötig, deren Abschnitte bis zu 2,2 Meter breit sind, um Rheinwasser in den Tagebau Hambach zu leiten. Dort soll die Flutung 2030 starten, gefolgt von der Grube Inden im selben Jahr und Garzweiler 2036. Ziel ist es, die stillgelegten Abbaugebiete in Seen für Tourismus und Naherholung umzuwandeln.
Bau- und Wasserentnahmegenehmigungen liegen bereits vor. Allerdings steht die endgültige Einleitungsgenehmigung für den Tagebau Hambach noch aus; eine Entscheidung der Bezirksregierung Arnsberg wird für den Herbst 2026 erwartet. Zwar wurde im Januar 2026 eine separate wasserrechtliche Erlaubnis erteilt, doch deckt diese nicht die tatsächliche Freigabe des Wassers in die Gruben ab.
Andreas Büttgen von der Initiative Bürger für Bürger äußert erhebliche Zweifel an der Sicherheit des Projekts. Er stellt infrage, ob die überfluteten Gebiete gefahrlos für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können, und verweist auf instabile Böschungen sowie ungetestete Wasserqualität. Büttgen spekuliert zudem, dass der Energiekonzern RWE das Vorhaben gänzlich aufgeben könnte, und bezeichnet es als riskante Unternehmensstrategie.
Umweltverbände wie der BUND und Alle Dörfer bleiben teilen diese Bedenken. Sie weisen auf die Belastung des Rheins hin, der bis zu 30.000 chemische Verbindungen enthält, deren Auswirkungen unbekannt sind. Zudem könnte sich der Grundwasserspiegel erst bis zum Jahr 2200 stabilisieren, warnen sie. Verschärft wird die Situation durch Microsofts neues Hyperscale-Rechenzentrum in der Region, das enorme Mengen Wasser zur Kühlung verbrauchen wird – was Ängste vor lokalen Engpässen schürt.
Das Pipeline-Projekt stößt weiterhin auf Widerstand wegen der Wasserqualität und ökologischer Risiken. Zwar liegen die Genehmigungen für Bau und Entnahme vor, doch die finale Einleitungsbewilligung steht noch aus. Falls das Vorhaben wie geplant umgesetzt wird, beginnt die Flutung der ersten Grube 2030 – mit weitreichenden Folgen für die regionale Wasserversorgung und Landschaft.






