22 January 2026, 20:51

Rebellischer Radio-Geist kehrt auf die Theaterbühne zurück

Ein Schwarz-Weiß-Foto eines altmodischen Radios auf einer Oberfläche, mit einer Wand, einem Fenster und anderen Gegenständen im Hintergrund und einem Text unten, der "Societe Française Radio Electrique" lautet.

Rebellischer Radio-Geist kehrt auf die Theaterbühne zurück

**Ein neues Stück am Theater an der Parkaue bringt den rebellischen Geist von DT64 zurück – dem legendären Jugendradio der DDR. "On Air On Fire" blickt auf die letzten Jahre des Senders, als Hörer:innen und Moderator:innen nach dem Mauerfall um sein Überleben kämpften. Die Produktion feiert nicht nur das 75-jährige Jubiläum des Theaters, sondern gibt jungen Stimmen eine Bühne, um Geschichte durch Performance zu erkunden.

DT64 startete 1964 als Jugendwelle des Radio DDR, doch seine prägendste Phase erlebte es in den späten 1980er-Jahren. Marion Brasch, von 1987 bis 1992 Musikredakteurin und Moderatorin, erinnert sich an eine Ära des rohen, unzensierten Rundfunks – eine Zeit, in der DJs und Hörer:innen auf Augenhöhe kommunizierten. Ihr Stück verwebt reale Ereignisse mit der Handlung, darunter den Moment, als eine Nachrichtensprecherin sich weigerte, die offizielle Staatsmeldung zum Massaker am Platz des Himmlischen Friedens zu verlesen.

Die Inszenierung fängt den Widerstandsgeist des Senders in kleinen, aber mutigen Gesten ein. Als Rio Reisers Lied "Der Traum ist aus" gespielt wurde, schnitten Zensor:innen die Zeile "Unser Land ist es nicht" – ein Eingriff, der die politische Sprengkraft des Songs nur noch verstärkte. Auf der Bühne spiegelt sich die Frustration der Zeit in einem Monolog einer jungen Frau wider: Die DDR-Gesellschaft sei freudlos geworden, zu starr für Leichtigkeit, zu schnell bereit, Menschen gegeneinander aufzubringen.

Doch das Theater geht über die reine Aufführung hinaus und macht das Stück zum Dialog. In Workshops werden junge Zuschauer:innen eingeladen, Fragen zu stellen, eigene Geschichten zu teilen und aktives Zuhören zu üben. Ziel ist es, Geschichte begreifbar zu machen – nicht als bloße Lehrstunde, sondern als lebendigen Austausch. Braschs Text entfaltet sich auf der kleinsten Bühne des Theaters und evoziert die intime, fast konspirative Atmosphäre von DT64. Das Stück erzählt nicht nur von der Vergangenheit – es spiegelt die Proteste wider, die ausbrachen, als Hörer:innen 1989 gegen die Abschaltung des Senders auf die Straße gingen. Ihre Solidarität wurde zum Teil des Erbes von DT64 – und nun zum Puls des Stücks.

Die Jubiläumsproduktion des Theater an der Parkaue tut mehr, als DT64 zu gedächtnis: Sie übergibt jungen Menschen das Mikrofon – ganz wie einst der Radiosender. Durch Aufführungen und Workshops hält die Inszenierung den Geist der Station am Leben und beweist, dass ihre Frequenz auch Jahrzehnte später noch nachhallt.