06 February 2026, 06:42

Neuer Masterplan für den Ohligser Tunnel: Von der Problemzone zum Stadteingang mit Zukunft

Eine Stadtstraße mit einer Fußgängerbrücke, Fahrzeugen, Fußgängern, einem Zaun, Topfpflanzen, Schildern, Laternen, Strommasten mit Drähten, Bäumen, Gebäuden und einer bewölkten Himmel.

Neuer Masterplan für den Ohligser Tunnel: Von der Problemzone zum Stadteingang mit Zukunft

Die Debatte um den Ohligser Tunnel in Solingen nimmt eine neue Wendung, nachdem der Bundesverband der Bürgerinitiativen (BfS) einen detaillierten Plan für dessen Zukunft vorlegt. Nach Jahren der Diskussionen, Proteste und politischen Hin-und-Her-Gefechte setzt sich die Initiative nun für eine vollständige Umgestaltung des Tunnels ein – hin zu einem sicheren, sauberen und einladenden Eingangstor für den Stadtteil. Ihre Vorschläge reichen von Sofortmaßnahmen zur Reinigung bis hin zu langfristigen städtebaulichen Konzepten.

Der Tunnel, für den 2021 zunächst eine 20-Millionen-Euro-Sanierung geplant war, sorgte seitdem für öffentlichen Widerstand und politische Kompromisse. Nun argumentiert der BfS, dass ein umfassender, lösungsorientierter Ansatz nötig sei, um Sicherheit, Sauberkeit und soziale Belange gleichzeitig anzugehen.

Der BfS-Plan beginnt mit dringenden Kurzzeitmaßnahmen: Eine gründliche Grundreinigung des Tunnels, schnelle Reparaturen bestehender Schäden und die regelmäßige Beseitigung von Graffiti sollen die grundlegende Funktionalität und das Erscheinungsbild wiederherstellen, während langfristige Pläne ausgearbeitet werden.

Mittelfristig schlägt die Initiative vor, neue Maßnahmen zur Verbesserung von Sicherheit und Atmosphäre zu testen. Dazu gehören die Installation von Videoüberwachung, die Modernisierung der Beleuchtung und der Einsatz von Soundinstallationen zur Abschreckung von Vandalismus. Zudem wird ein genehmigter Überdachungsbau am östlichen Ausgang vorgeschlagen, um anhaltende Feuchtigkeitsschäden zu stoppen.

Obdachlosigkeit im und um den Tunnel bleibt ein zentrales Problem. Statt auf repressive Maßnahmen zu setzen, besteht der BfS darauf, zunächst individuelle Hilfsangebote für Betroffene zu schaffen, bevor strengere Regelungen eingeführt werden. Diese soziale Verantwortung bildet einen Kernpunkt der Vision.

Langfristig skizziert der BfS noch ehrgeizigere Veränderungen: Ein radikaler Vorschlag sieht vor, den Tunnel vollständig durch eine barrierefreie Brücke für Fußgänger:innen und Radfahrer:innen zu ersetzen. Zudem betont die Initiative die Notwendigkeit, den Vorplatz des östlichen Bahnhofs neu zu gestalten und die Zukunft des Tunnels mit weiteren städtebaulichen Zielen zu verknüpfen.

Die jüngere Geschichte des Tunnels war von Konflikten geprägt: 2021 kündigten die Stadt Solingen und die DB Netz AG eine 20-Millionen-Euro-Sanierung der Bausubstanz an. 2022 und 2023 formierte sich Widerstand unter Führung der Bürgerinitiative Ohligs-Tunnel gegen Lärmschutzwände und erhöhte Trassen. 2024 erhielt das Vorhaben politischen Rückenwind, als der Solinger Stadtrat und NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer die Modernisierung zur Steigerung der Schienenkapazität unterstützten. 2025 und 2026 folgte ein Kompromiss mit Teil-Umbauten und ökologischen Anpassungen, doch die Debatten hielten an – etwa in lokalen Medien wie der Solinger Tageblatt.

Der BfS-Plan bietet einen strukturierten Weg für die Zukunft des Ohligser Tunnels, der schnelle Lösungen mit langfristigen Zielen verbindet. Wird er umgesetzt, könnte er die Rolle des Tunnels im Stadtteil neu definieren – sowohl in praktischer als auch in sozialer Hinsicht. Die nächsten Schritte hängen davon ab, wie Behörden und Anwohner:innen auf diesen ganzheitlichen Ansatz reagieren.