02 February 2026, 08:27

Neue Schutzräume für Frauen an Bahnhöfen: Hilfe gegen Gewalt in Berlin und Köln

Zwei Frauen stehen nebeneinander vor einer blauen Tür, die mit Plakaten bedeckt ist, eine trägt ein blaues Hemd, schwarze Hosen und eine grüne Mütze, die andere hält ein Papier in der Hand.

Bundespolizistinnen beraten Gewaltopfer: Arzt oder Anzeige? - Neue Schutzräume für Frauen an Bahnhöfen: Hilfe gegen Gewalt in Berlin und Köln

An neuen Beratungsstellen für von Gewalt betroffene Frauen an großen deutschen Bahnhöfen können Betroffene seit Kurzem Hilfe finden. Die erste Einrichtung eröffnete am 15. August 2024 in Berlin, gefolgt von Köln am 29. September 2025. Seitdem haben diese Pilotprojekte in über 200 Fällen Frauen unterstützt und bieten einen geschützten Raum fernab herkömmlicher Vernehmungszimmer.

Aktuelle Zahlen zeigen einen besorgniserregenden Anstieg häuslicher Gewalt: Im Jahr 2024 erstatteten 187.128 Frauen in Deutschland Anzeige wegen solcher Vorfälle – ein Plus von 3,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Die Beratungsstellen werden ausschließlich von Polizistinnen betrieben, die speziell für den Umgang mit Fällen häuslicher und sexualisierter Gewalt geschult sind. Ihre Aufgabe geht über die akute Hilfe hinaus: Sie vermitteln Plätze in Frauenhäusern oder sorgen dafür, dass Täter vorübergehend aus gemeinsamen Wohnungen verwiesen werden. In schweren Fällen werden Opfer zur medizinischen Versorgung in Krankenhäuser gebracht oder dort Beweismittel wie Verletzungen nach Übergriffen oder Vergewaltigungen dokumentiert.

Ein Fall betraf ein 15-jähriges, schwangeres Mädchen, das von ihrem Freund geschlagen worden war. Nach dem Aufsuchen der Beratungsstelle wurde es zur Behandlung ins Krankenhaus gebracht. Die bewusste Gestaltung dieser Räume – deutlich anders als klassische Polizeivernehmungszimmer – soll eine unterstützendere Atmosphäre für Menschen in Not schaffen.

Trotz der ersten Erfolge bleibt die Zukunft dieser Einrichtungen ungewiss. Die Finanzierung und der Betrieb sind bisher nur bis September 2027 gesichert, eine Ausweitung steht noch nicht zur Debatte. Stand Februar 2026 wurden keine weiteren Bundesbahnhöfe für ähnliche Projekte öffentlich bekannt gegeben.

Der Anstieg der gemeldeten Fälle könnte sowohl auf eine Zunahme der Gewalt als auch auf eine größere Bereitschaft der Opfer hindeuten, sich zu melden. Welcher Faktor stärker ins Gewicht fällt, haben die Behörden noch nicht abschließend geklärt.

Die Pilotstellen in Berlin und Köln haben bereits Hunderten Frauen entscheidende Hilfe geleistet. Ob sie ihre Arbeit fortsetzen oder sogar ausbauen können, hängt jedoch von künftigen Finanzzusagen und politischen Weichenstellungen ab. Ohne weitere Verpflichtungen bleibt unklar, ob die bestehenden Angebote aufrechterhalten oder erweitert werden können.