Merz stärkt Deutschlands strategische Partnerschaft mit Indien trotz China-Konflikt
Iwona KohlMerz stärkt Deutschlands strategische Partnerschaft mit Indien trotz China-Konflikt
Bundeskanzler Friedrich Merz besucht diese Woche Indien, um die Zusammenarbeit in Handel, Verteidigung und Technologie zu vertiefen. Der Besuch erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem beide Länder ihre Partnerschaft ausbauen wollen – trotz anhaltender Meinungsverschiedenheiten in den Fragen China und Russland.
Neu-Delhi drängt auf mehr deutsche Investitionen und Spitzentechnologie, um seine Abhängigkeit von Peking und Moskau zu verringern. Gleichzeitig sieht Berlin in Indien einen wichtigen strategischen Partner angesichts sich verschiebender globaler Bündnisse.
Indiens Bestrebungen, die wirtschaftlichen Beziehungen zu Deutschland zu intensivieren, haben in den letzten Jahren an Fahrt aufgenommen. Lokale Wirtschaftsnetzwerke wie das Indien-Kompetenzzentrum verzeichnen ein wachsendes Interesse deutscher Unternehmen, Indien als diversifizierten Partner zu erschließen. Offizielle Zahlen zu gemeinsamen Investitionen oder Projekten in Bereichen wie Mode, Technologie oder Handel der vergangenen fünf Jahre liegen jedoch nicht vor.
Ein Beispiel für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist Techno Design, ein indisch gegründetes Modeunternehmen mit Sitz in Düsseldorf. Das Unternehmen spezialisiert sich auf digitale Kleidungsdesigns unter Einsatz von 3D-Visualisierung für große deutsche und US-amerikanische Marken. Die Produktion erstreckt sich über Indien, China und Bangladesch – ein Spiegelbild der vernetzten globalen Lieferketten.
Techno Design baut derzeit seine Belegschaft in Indien aus und investiert weiter in KI-gestützte Modeentwicklung. Geschäftsführer Rajive Ranjan ist überzeugt, dass ein künftiges Freihandelsabkommen zwischen Indien und der EU erhebliche Vorteile bringen würde, darunter niedrigere Zölle und erleichterten Zugang zu Fachkräften. Dennoch stellen europäische Vorschriften weiterhin eine Hürde dar, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen, die auf den indischen Markt drängen.
Die Differenzen zwischen Deutschland und Indien in den Fragen China und Russland bleiben ungelöst. Doch beide Seiten konzentrieren sich auf pragmatische Zusammenarbeit, wobei Neu-Delhi auf deutsches Know-how setzt, um seine Industrien zu modernisieren und die Abhängigkeit von traditionellen Partnern zu verringern.
Merz' Besuch unterstreicht die wachsende Bedeutung der deutsch-indischen Partnerschaft. Unternehmen wie Techno Design erweitern bereits ihre Aktivitäten, während beide Regierungen daran arbeiten, regulatorische Hindernisse abzubauen.
Ein mögliches Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien könnte die wirtschaftlichen Beziehungen weiter stärken. Aktuell liegt der Fokus darauf, die Zusammenarbeit in Technologie, Verteidigung und nachhaltigem Handel auszubauen.