Maria Kolesnikowa erhält Karlspreis 2022 für ihren Kampf um Demokratie in Belarus
Thies FreudenbergerSpätverleihung des Karlspreises an belarussische Oppositionsfigur Kolesnikova - Maria Kolesnikowa erhält Karlspreis 2022 für ihren Kampf um Demokratie in Belarus
Maria Kolesnikowa, eine führende Persönlichkeit der belarussischen Oppositionsbewegung, ist mit dem Internationalen Karlspreis 2022 ausgezeichnet worden. Die Ehrung würdigt ihren Einsatz für Demokratie und freie Wahlen in ihrer Heimat. Die Preisverleihung fand am Samstag im Aachen Krönungssaal statt – fast drei Jahre nach ihrer Inhaftierung.
In diesem Jahr ging der Karlspreis zudem an Mario Draghi, den ehemaligen Präsidenten der Europäischen Zentralbank und Italiens Ex-Ministerpräsidenten.
Der Karlspreis wird seit 1950 jährlich an Persönlichkeiten verliehen, die sich um die Einheit und die Werte Europas verdient machen. Kolesnikowa wurde für ihren "außergewöhnlichen Mut" im Widerstand gegen das autoritäre Regime von Alexander Lukaschenko in Belarus geehrt. 2020 war sie zu elf Jahren Haft in einer Strafkolonie verurteilt worden, weil sie Massenproteste gegen Lukaschenkos umstrittene Wiederwahl organisiert hatte.
Noch aus dem Gefängnis heraus bezeichnete Kolesnikowa die Auszeichnung als "enorme Ehre" und ein "kraftvolles Zeichen der Solidarität". Im Dezember 2025 wurde sie – zusammen mit 122 weiteren politischen Gefangenen – nach US-geführten Vermittlungsgesprächen freigelassen. Armin Laschet, Vorsitzender des Karlspreis-Direktoriums, begrüßte ihre Anwesenheit bei der Zeremonie als Zeichen der Unterstützung für Demokratieaktivisten in ganz Europa.
Belarus bleibt unter Lukaschenkos Herrschaft, und trotz einiger diplomatischer Annäherungen hält die Repression an. Seit Kolesnikowas Freilassung sucht die Regierung zwar eine engere Zusammenarbeit mit dem Westen, etwa durch Gespräche mit den UN und US-Friedensinitiativen. Doch politische Verhaftungen gehen weiter, und Proteste haben nicht wieder begonnen. UN-Berichte dokumentieren erzwungene Exile, digitale Zensur und anhaltende Festnahmen – wie jüngst die des Aktivisten Ales Puschkin.
Lukaschenko bleibt einer der engsten Verbündeten des russischen Präsidenten Wladimir Putin, selbst während Belarus seine Außenbeziehungen im Schatten des russischen Krieges gegen die Ukraine neu ausbalanciert.
Kolesnikowas Freilassung und die Verleihung des Karlspreises unterstreichen ihre Rolle im Kampf für demokratischen Wandel in Belarus. Die Auszeichnung lenkt zugleich den Blick auf die anhaltende Unterdrückung unter Lukaschenko. Trotz diplomatischer Signale sitzen politische Gefangene weiterhin hinter Gittern, und abweichende Meinungen werden nach wie vor gewaltsam unterdrückt.