Marathon-Theater erlebt ungebrochene Renaissance mit siebenstündigen Mammutstücken
Iwona KohlMarathon-Theater erlebt ungebrochene Renaissance mit siebenstündigen Mammutstücken
Langlaufende, immersive Theaterproduktionen haben im deutschsprachigen Raum eine lange Tradition. Seit Jahrzehnten loten Regisseure mit marathonglangen Aufführungen die Grenzen des Machbaren aus – oft weit jenseits klassischer Spieldauern. Trotz des Aufschwungs kürzerer Formate während der Pandemie strömen Zuschauer weiterhin zu diesen monumentalen Inszenierungen.
Den Aufstieg des ausufernden Theaters markieren vor allem die 1970er- und 1980er-Jahre. In dieser Zeit etablierte sich das Regietheater, dessen künstlerische Wagnisse zu immer ambitionierteren, zeitintensiven Produktionen führten. Ein Meilenstein war Robert Wilsons Einstein on the Beach (Premiere 1976), das mit vier bis fünf Stunden Dauer Maßstäbe für ausdauernde Performances setzte.
Luk Percevals Schlachten beim Salzburger Festspiele 1999 trieb die Entwicklung weiter voran: Die Inszenierung dauerte zwölf Stunden. In jüngerer Zeit brachte das Schauspielhaus Bochum 2023Die Brüder Karamasow in einer siebenstündigen Fassung auf die Bühne. Nun präsentieren die Münchner Kammerspiele beim Berliner TheatertreffenWallenstein: Ein Festspiel des Krieges in sieben Gängen – ein weiteres siebenstündiges Spektakel.
Das Theatertreffen, das herausragende Produktionen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zeigt, verzeichnet eine hohe Nachfrage nach diesen langen Stücken. Die Karten für Wallenstein waren schnell ausverkauft – ein Beleg dafür, dass das Publikum nach wie vor immersive Erlebnisse sucht. Unterdessen bereitet die Berliner Volksbühne eine Neuauflage von Peer Gynt vor, deren erster Teil allein acht Stunden umfassen wird.
Während und nach der Pandemie setzten viele Häuser auf kürzere, pausenlose Stücke. Doch trotz dieses Trends bleibt die Faszination für epische Erzählformen ungebrochen. Die Tradition des Marathon-Theaters zeigt keine Ermüdungserscheinungen: Produktionen wie Wallenstein oder Peer Gynt ziehen weiterhin vollbesetzte Häuser an, auch wenn kompakte Formate weiterhin ihren Platz haben. Zwar erfasst der Deutsche Bühnenverein keine offiziellen Statistiken zu Spieldauern, doch die anhaltende Beliebtheit dieser monumentalen Werke spricht für sich.






