Kriminelles Netzwerk für illegale Abfallentsorgung in NRW zerschlagen
Irmtraut BeckerKriminelles Netzwerk für illegale Abfallentsorgung in NRW zerschlagen
Großrazzia deckt kriminelles Netzwerk zur illegalen Abfallentsorgung in Nordrhein-Westfalen auf
Eine umfangreiche Ermittlung zu illegaler Abfallbeseitigung hat ein kriminelles Netzwerk aufgedeckt, das in ganz Nordrhein-Westfalen operiert. Die Behörden untersuchen den Fall bereits seit über einem Jahr – mittlerweile stehen mehr als 40 Personen unter Verdacht. Einem 63-jährigen Abfallmakler aus Unna werden schwere Vorwürfe gemacht, darunter Betrug und der illegale Umgang mit gefährlichen Stoffen.
Die Ermittlungen begannen Anfang 2024, nachdem der Verdacht auf großflächige illegale Abfallablagerungen aufkam. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Hauptverdächtigen und seinen Komplizen vor, gefährliche Abfälle angenommen, vermischt und umdeklariert zu haben, um eine ordnungsgemäße Entsorgung zu umgehen. Auf einem Gewerbegelände in Selfkant wurden rund 23.000 Tonnen belasteter Erde entdeckt; ähnliche Mengen könnten in Kiesgruben bei Kamp-Lintfort abgelagert worden sein.
Der Beschuldigte, der bereits wegen Bestechung und Steuerhinterziehung vorbestraft ist, stand zuvor in Verbindung mit einem illegalen Abfallskandal um eine BP-Raffinerie. Er soll als "freier Berater" für ein Recyclingunternehmen in Soest tätig gewesen sein und dort Materialströme gesteuert haben. Als Firmenadresse ist ein Wohngebäude gemeldet, unter dem mehrere Unternehmen eingetragen sind.
Bei einer Durchsuchung beschlagnahmten die Behörden 120.000 Euro Bargeld, 200 Gramm Gold und weitere Wertgegenstände aus dem Fahrzeug des Verdächtigen. Das Netzwerk umfasst vermutlich Entsorgungs-, Transport- und Baufirmen; auch der Tagebau Garzweiler steht im Fokus der Ermittler. Die Stadt Gelsenkirchen prüft nun Haftungsansprüche gegen Hersteller und Lieferanten nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz, da das verantwortliche Entsorgungsunternehmen bisher nicht vollständig zur Rechenschaft gezogen wurde.
Der Fall weitet sich weiter aus: Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen mehrere Personen und Firmen, und weitere Anklagen könnten folgen. Während Gelsenkirchen auf Konsequenzen drängt, arbeiten die Behörden daran, die illegale Abfalloperation vollständig zu zerschlagen.