29 June 2026, 20:30

Klassik im Umbruch: Streits um MDR, Philharmonie und Millionenkosten

Zu viel Hysterie!

Klassik im Umbruch: Streits um MDR, Philharmonie und Millionenkosten

Tiefgreifende Umbrüche prägen die deutsche Klassikszene

In Deutschland vollziehen sich derzeit weitreichende Veränderungen in der klassischen Musikwelt. Rundfunksender, Spielstätten und Führungspositionen stehen auf dem Prüfstand – mehrere brisante Entwicklungen sorgen für Diskussionen unter Künstlern und Kulturverantwortlichen.

Der MDR hat bekannt gegeben, seinen Klassik-Radioprogramm auf DAB einzustellen und stattdessen BR-Klassik zu übernehmen. Die Entscheidung stößt auf scharfe Kritik, etwa von Annette Josef, die von einem „kulturellen Kahlschlag“ spricht.

In Berlin wird weiterhin über einen Interimsstandort für die Philharmonie während der für 2032 geplanten Sanierung diskutiert. Die Stadt favorisiert das ICC als Lösung, doch Philharmonie-Direktorin Andrea Zietzschmann zeigt sich skeptisch. Kollegen vom VAN Magazine haben sogar den Flughafen Tempelhof als Alternative ins Spiel gebracht – die Kosten könnten jedoch über eine Milliarde Euro betragen. Unterdessen gibt es Gerüchte, dass Zietzschmanns eigener Vertrag nicht über 2028 hinaus verlängert wird.

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Auch die Salzburger Festspiele sehen sich mit explodierenden Sanierungskosten konfrontiert: Statt der ursprünglich veranschlagten 519 Millionen Euro werden nun 635 Millionen Euro erwartet. In München erntet Tobias Kratzers Ring-Zyklus hingegen Lob – Kritiker Philipp von Studnitz hebt besonders „Die Walküre“ hervor.

Personelle Wechsel sorgen ebenfalls für Schlagzeilen: Karin Bergmann, die Nachfolgerin von Markus Hinterhäuser, hat angeboten, dessen geplante Konzerte zu übernehmen – eine Antwort steht jedoch noch aus. Matthias Goerne hat alle seine Auftritte in Israel abgesagt, darunter „Herzog Blaubarts Burg“, mit der Begründung, er könne nicht ins Land reisen. Zudem hat das Verhalten von John Eliot Gardiner gegenüber einer Mitarbeiterin beim Leipziger Bachfest eine breitere Debatte ausgelöst – die Meinungen zu seinem Auftreten gehen weit auseinander.

Oliver Wille, Leiter der Hitzacker Sommer-Musiktage, nutzte kürzlich den BackstageClassical-Podcast, um die Branche zu mehr Ernsthaftigkeit und tieferer Überzeugung im Umgang mit Musik aufzurufen. In Hamburg unterstützte Kultursenator Carsten Brosda öffentlich die Äußerungen von Michel Friedman, der davor warnte, dass kultureller Essentialismus die künstlerische Freiheit ersticken könne.

Die klassische Musiklandschaft befindet sich in einer Phase des Umbruchs. Entscheidungen zu Rundfunk, Spielstätten und Führungsfragen verändern das Gefüge, während künstlerische und ethische Debatten die weitere Entwicklung prägen. Die kommenden Monate werden zeigen, wie sich diese dynamischen Prozesse weiterentwickeln.

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