Kirchenaustritte in NRW sinken 2025 – doch die Krise bleibt tiefgreifend
Iwona KohlKirchenaustritte in NRW leicht gesunken - Kirchenaustritte in NRW sinken 2025 – doch die Krise bleibt tiefgreifend
Im Jahr 2025 traten in Nordrhein-Westfalen weniger Menschen aus der katholischen Kirche aus – doch die Zahlen bleiben auf hohem Niveau. Das Erzbistum Köln verzeichnete eine leichte Erholung bei den Gottesdienstbesucherzahlen und den Erwachsenentaufen, was den örtlichen Verantwortlichen einen Funken Hoffnung gibt. Dennoch warnen Experten, dass die Kirche in der Region weiterhin vor tiefgreifenden Herausforderungen steht.
2025 verließen 84.440 Menschen offiziell die katholische Kirche in Nordrhein-Westfalen. Zwar ist dies weniger als im Vorjahr, doch trug die Zahl zu insgesamt 152.783 Austritten aus beiden großen Konfessionen – katholisch und protestantisch – bei. In den vergangenen zehn Jahren haben die Austrittszahlen stark zugenommen, insbesondere seit 2021, als Berichte über Missbrauchsskandale zunahmen. Auch Säkularisierung, der Generationswechsel und Meinungsverschiedenheiten in gesellschaftspolitischen Fragen treiben diesen Trend voran.
Das Erzbistum Köln verzeichnete jedoch auch positive Signale: Die Zahl der Gottesdienstbesucher stieg von 90.694 im Jahr 2024 auf 94.638 im Jahr 2025 an, wobei im Schnitt sechs Prozent der Katholiken die Sonntagsmessen besuchten. Auch die Erwachsenentaufen nahmen im gleichen Zeitraum von 199 auf 315 zu. Generalvikar Guido Assmann wertete diese Entwicklungen als vorsichtige Anzeichen für Hoffnung.
Dennoch sank die Gesamtzahl der Katholiken in Nordrhein-Westfalen weiter – von 5,8 auf 5,6 Millionen. Der Kirchenrechtler Thomas Schüller bezeichnete die Lage als "nach wie vor dramatisch" und verwies auf den anhaltenden Vertrauensverlust in die Institution. Kirchensteuern und gesellschaftliche Veränderungen bleiben zentrale Faktoren für den anhaltenden Mitgliederschwund.
Die leichten Zugewinne des Erzbistums Köln bei der Bindung der Gläubigen stehen im Kontrast zum allgemeinen Rückgang in ganz Nordrhein-Westfalen. Zwar verließen 2025 weniger Menschen die Kirche, doch bleibt die Austrittszahl beträchtlich. Nun steht die Kirchenführung vor der Aufgabe, in einer zunehmend säkularen Gesellschaft neues Vertrauen und Relevanz aufzubauen.