"Kein Körper passt": Wie Kims genderfluide Geschichte die Berliner Bühne eroberte
Thies Freudenberger"Kein Körper passt": Wie Kims genderfluide Geschichte die Berliner Bühne eroberte
Kim de l'Horizons Debütroman Kein Körper passt feiert einen beeindruckenden Sprung von der Seite auf die Bühne. Die Bühnenadaption erlebte ihre ausverkaufte Premiere im Berliner Vaganten Bühne in Charlottenburg. Die Inszenierung bringt eine zutiefst persönliche Geschichte von Identität, Familie und Selbstfindung zum Leben.
Der Roman begleitet Kim, eine genderfluide Protagonist:in, deren Reise mit der Demenzerkrankung ihrer Großmutter beginnt. Diese Diagnose löst eine Suche nach den eigenen Wurzeln in einem Schweizer Vorort aus – und fördert Traumas zutage, die sich durch die mütterliche Blutlinie ziehen, einige bis ins 14. Jahrhundert zurückreichend. Parallel dazu bewegt sich Kim durch eigene Erfahrungen mit Sex, Nachtleben und der Dating-App Grindr.
Auf der Bühne wird die Geschichte von drei Schauspieler:innen verkörpert: Julian Trostorf, Annemie Twardawa und Emma Zeisberger. Die Produktion setzt auf mutige visuelle Akzente, darunter zerschlissene beige Strumpfhosen, die von der Decke hängen, beschwert mit Sand und Bällen. Ein Höhepunkt ist eine Modeschau, in der das Trio in weißen Spitzenkleidern auftritt und traditionelle Grenzen verwischt.
Der Roman selbst entzieht sich einfacher Einordnung. Kims Körper wird als grenzenlos beschrieben, jenseits binärer Definitionen. Themen wie genderfluide Identität, Selbstakzeptanz und transgenerationale Traumata durchziehen die Erzählung. Die Wirkung war sofort spürbar – Kein Körper passt gewann 2022 sowohl den Deutschen Buchpreis als auch den Schweizer Buchpreis.
Die Bühnenfassung verwandelt Kims introspektiven Roman in ein sinnliches, ausverkauftes Spektakel. Mit ihrer Mischung aus persönlicher Geschichte und theatralischer Wucht erweitert die Inszenierung die Reichweite des Buches über die gedruckte Seite hinaus. Die Premiere markiert einen weiteren Meilenstein für ein Werk, das längst als bahnbrechend gilt.






