08 February 2026, 04:40

Grüner Stahl: Warum Salzgitter und Thyssenkrupp gegensätzliche Wege gehen

Ein altes Gebäude mit einem grünen, kunstvoll gestalteten Metalltor, umgeben von Bäumen und Pflanzen, mit mehreren Fenstern und Balkonen.

Grüner Stahl: Warum Salzgitter und Thyssenkrupp gegensätzliche Wege gehen

Zwei der größten deutschen Industriekonzerne gehen beim Umstieg auf grüne Stahlproduktion völlig unterschiedliche Wege. Der weitverzweigte Mischkonzern Thyssenkrupp setzt auf Umstrukturierung und seine Wasserstofftochter Nucera, während Salzgitter mit dem ehrgeizigen Dekarbonisierungsprojekt SALCOS konsequent auf Stahlproduktion fokussiert. Investoren beobachten gespannt, wie beide Unternehmen die hohen Risiken der Energiewende meistern.

Salzgitter hat seine Prioritäten klar definiert: Stahlherstellung und der Aufbau grüner Lieferketten. Das SALCOS-Projekt am Standort Salzgitter zählt zu den fortschrittlichsten Dekarbonisierungsvorhaben Europas – die Bauarbeiten laufen bereits, und wichtige Verträge für Anlagentechnik wurden vergeben. Mit der Einführung einer eigenen Marke für grünen Stahl unterstreicht das Unternehmen sein Engagement. Die jüngste Übernahme des Stahlherstellers HKM hat zudem Unsicherheiten am Markt beseitigt, auch wenn die Reaktionen der Anleger gemischt ausfallen.

Thyssenkrupp hingegen bleibt ein klassischer Mischkonzern mit Beteiligungen von U-Booten bis zu Autoteilen. Die Strategie sieht den Verkauf nicht zum Kerngeschäft gehörender Sparten vor, während man auf Nucera setzt – die Wasserstofftochter und weltweit führend in der Elektrolyse, einer Schlüsseltechnologie für grüne Stahlproduktion. Doch die Umsetzung stockt, und dem Konzern droht ein Nettoverlust im hohen dreistelligen Millionenbereich, was den ohnehin schwankenden Aktienkurs zusätzlich belastet.

Die Salzgitter-Aktie zeigt sich dagegen robust und notiert nahe ihrem Allzeithoch, da Anleger dem Kurs von Vorstandschef Gunnar Groebler vertrauen. Die Bewertung des Unternehmens wirkt oft attraktiver als die von Thyssenkrupp, mit einer stabileren Dividendenhistorie – doch das starke Engagement im Stahlsektor macht es anfällig für konjunkturelle Abschwünge. Thyssenkrupp bietet durch seine breitere Aufstellung zwar einen gewissen Schutz vor Branchenkrisen, doch die riskante Transformation bleibt ein Wagnis.

Die beiden Konzerne stehen für gegensätzliche Ansätze in der grünen Wende: Salzgitter treibt konkrete Dekarbonisierungsprojekte und die Kontrolle über Lieferketten voran, während Thyssenkrupp auf Wasserstoffkompetenz und Restrukturierung setzt. Aktuell genießt Salzgitter dank seiner klaren Ausrichtung größeres Investorenvertrauen – doch Thyssenkrupps technologischer Vorsprung könnte langfristig noch den Ausschlag geben.