15 March 2026, 06:23

EU-Saatgutreform bedroht kleine Erzeuger und seltene Pflanzensorten

Ein Plakat für Rohrer's Saatgut-Jahrbuch 1942 mit einer bunten Auswahl an Blumen, Pflanzen, Gras, einer Person, einem Haus, Bäumen und einem klaren blauen Himmel, mit Text, der Informationen über die Saatgut gibt.

EU-Saatgutreform bedroht kleine Erzeuger und seltene Pflanzensorten

Ein geplanter EU-Gesetzentwurf zum Saatguthandel sorgt bei kleinen Erzeugern und Hobbygärtnern für Besorgnis. Die neue Verordnung, die derzeit verhandelt wird, könnte strenge Zertifizierungsvorschriften und hohe Gebühren für Saatguthändler einführen. Kritiker warnen, dass seltene Pflanzensorten verschwinden könnten, sollte die Reform wie geplant umgesetzt werden.

Die Verhandlungen über die Regelung begannen im Februar 2026 und umfassen die Europäische Kommission, das Parlament sowie den Rat der Agrarminister. Während das Parlament Ausnahmen für Kleinproduzenten fordert, setzt sich der Rat für eine strengere Linie mit scharfen Kontrollen ein.

Nach den geplanten Bestimmungen müssten Saatguthändler kostspielige Zertifizierungsverfahren durchlaufen. Michael Bonke, Organisator des Düsseldorfer Saatgutfestes, befürchtet, dass viele kleine Betriebe aufgrund der finanziellen Belastung schließen müssten. Auch lokale Züchter in der Stadt sorgen sich um ihre Existenzgrundlage.

Saatgutbibliotheken in Köln und Neuss setzen sich bereits für den Erhalt der Artenvielfalt ein, indem sie Saatgut kostenlos verleihen. Claudia Neufurth von der Stadtbibliothek Neuss verzeichnet eine hohe Nachfrage nach bestimmten Sorten – ein Zeichen für das große öffentliche Interesse am Schutz traditioneller Saatgutarten. Die Selbstversorgerin Anne Mommertz warnt, dass die Verordnung die biologische Vielfalt in europäischen Gärten gefährden könnte.

Falls das Gesetz verabschiedet wird, könnten Hobbygärtner kaum noch etwas anderes als standardisiertes Saatgut großer Industrieanbieter finden. Seltene und traditionelle Sorten drohen ohne die Unterstützung von Nischenproduzenten zu verschwinden.

Das Ergebnis der EU-Verhandlungen wird entscheiden, ob kleine Saatguthändler weiterarbeiten können. Ohne Anpassungen könnten die neuen Regeln viele in den Ruin treiben und den Zugang zu vielfältigen Pflanzensorten einschränken. Die endgültige Entscheidung liegt bei den an den Gesprächen beteiligten EU-Institutionen.

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