Düsseldorfs "fiftyfifty" kämpft ums Überleben – warum das Magazin für Obdachlose unverzichtbar ist
Iwona KohlDüsseldorfs "fiftyfifty" kämpft ums Überleben – warum das Magazin für Obdachlose unverzichtbar ist
Düsseldorfs "fiftyfifty"-Magazin – eine Lebensader für obdachlose Verkäufer:innen – steckt in schweren finanziellen Schwierigkeiten. Die monatlichen Verkaufszahlen sind von einst 40.000 Exemplaren auf unter 12.000 eingebrochen und bedrohen damit das Überleben des Projekts. Der Rückgang spiegelt die generellen Herausforderungen der Printmedien wider, aber auch die zunehmende Feindseligkeit gegenüber den Verkäufer:innen und die Schwierigkeiten, sich im digitalen Zeitalter zu behaupten.
Gegründet von Hubert Ostendorf, ist das Magazin weit mehr als eine Einnahmequelle – es gibt den Verkäufer:innen Struktur, Würde und ein Gefühl von Gemeinschaft. Ohne "fiftyfifty" drohen nicht nur wichtige Unterstützungsprojekte wegzubrechen, sondern auch eine einflussreiche Stimme für die Rechte obdachloser Menschen zu verstummen.
Die Krise des "fiftyfifty" ist kein Einzelfall, sondern steht exemplarisch für die Lage der Straßenpresse in ganz Deutschland. Zwar gibt es keine genauen Zahlen, doch ähnliche Magazine wie "Strassenfeger" oder "Motz" verzeichnen seit 2020 einen Rückgang der Verkaufszahlen um 30 bis 50 Prozent. Viele versuchen, sich mit Digitalausgaben, Crowdfunding oder Kooperationen mit Plattformen wie Steady über Wasser zu halten.
Steigende Kosten haben "fiftyfifty" gezwungen, den Verkaufspreis auf 3,40 Euro anzuheben – immer noch günstiger als viele Alltagsausgaben. Die digitale Version "fiftyfifty-ObdachLOS" funktioniert wie eine Loskarte: Verkäufer:innen erhalten die Hälfte des Erlöses für jeden verkauften Zugangscode. Doch der Umstieg auf Digitales konnte den drastischen Einbruch der Printverkäufe nicht ausgleichen.
Doch "fiftyfifty" ist mehr als ein wirtschaftliches Projekt – es prägt die öffentliche Debatte. Das Magazin deckt Missstände auf, stellt sich gegen Diskriminierung und kritisiert politische Entscheidungen, die Obdachlose betreffen. Seine Sichtbarkeit sichert zudem die Finanzierung sozialer Initiativen, von Straßenhilfe bis zu Housing-First-Projekten. Für viele Verkäufer:innen ist der Verkauf des Magazins mehr als ein Job: Er schafft Verbindung, Sinn und schützt vor sozialer Isolation.
Doch der Verkaufsrückgang hat nicht nur mit veränderten Lesegewohnheiten zu tun. Vor allem Verkäufer:innen mit Migrationshintergrund erleben zunehmend Rassismus und Aggression. Diese Feindseligkeit erschwert es ihnen zusätzlich, das Magazin zu verkaufen und damit ihren Lebensunterhalt zu sichern.
Das Überleben von "fiftyfifty" hängt nun am seidenen Faden – seine Zukunft entscheidet sich an finanzieller Stabilität und öffentlicher Unterstützung. Scheitert das Magazin, verlieren obdachlose Verkäufer:innen nicht nur eine wichtige Einnahmequelle, sondern auch einen Ort der Gemeinschaft. Die Folgen wären noch weitreichender: Sozialprojekte, die auf seine Förderung angewiesen sind, stünden vor dem Aus, und die dringend notwendigen gesellschaftlichen Diskussionen über Obdachlosigkeit in Düsseldorf und darüber hinaus würden an Gewicht verlieren.