31 January 2026, 22:39

Düsseldorfer Start-up verwandelt CO₂ in nachhaltigen Zement – und sammelt Millionen ein

Ein Gebäude mit einer Tafel, auf der "Citi Global College" steht, umgeben von Straßenmasten, Straßenlaternen, Strommasten, Stromkabeln, Kraftfahrzeugen, Bäumen und einem klaren blauen Himmel.

Düsseldorfer Start-up verwandelt CO₂ in nachhaltigen Zement – und sammelt Millionen ein

Co-reactive, ein Düsseldorfer ClimateTech-Start-up, sammelt 6,5 Millionen Euro Seed-Finanzierung ein, um seine CO₂-Mineralisierungstechnologie auszubauen. Das Verfahren verwandelt abgetrenntes Kohlendioxid und natürliche Mineralien in nachhaltige Zementzusätze – und reduziert so CO₂-Emissionen, während es gleichzeitig die Materialfestigkeit erhöht. Zu den Investoren zählen der High-Tech Gründerfonds, die NRW.Bank sowie mehrere auf ClimateTech spezialisierte Geldgeber, ergänzt durch öffentliche Förderung aus dem BIK-Programm des Bundes.

Die Zementproduktion verursacht etwa 8 % der globalen CO₂-Emissionen. Steigende CO₂-Preise könnten die Herstellungskosten innerhalb eines Jahrzehnts um bis zu 100 % in die Höhe treiben und den Druck erhöhen, klimafreundliche Alternativen zu finden. Traditionelle Ersatzstoffe wie Flugasche und Hüttensand – Nebenprodukte der Kohle- und Stahlindustrie – werden knapp, da sich die Branchen von fossilen Brennstoffen abwenden.

Co-reactives Lösung besteht darin, CO₂ und Mineralien in zusätzliche zementartige Materialien (SCMs) umzuwandeln, die den CO₂-Fußabdruck von Beton verringern und gleichzeitig die Haltbarkeit verbessern. Die Technologie funktioniert als "Drop-in-System", das sich direkt in bestehende Produktionslinien integrieren lässt – ohne aufwendige Umrüstungen. Bis 2027 plant das Unternehmen, vor-Ort-Anlagen in Zement- und Stahlwerken in Betrieb zu nehmen, die sowohl biogenes als auch industrielles CO₂ mineralisieren.

Die Seed-Finanzierung fließt in eine Demostrationsanlage mit einer Kapazität von 1.000 Tonnen pro Jahr, deren Start für das zweite Quartal 2026 vorgesehen ist. Parallel bereitet Co-reactive in Partnerschaft mit Herstellern den Bau größerer Industrieanlagen vor. Wie Dr.-Ing. Andreas Bremen, Mitgründer und CEO des Unternehmens, betont, gehe es darum, die CO₂-Mineralisierung von der Laborphase in den vollindustriellen Maßstab zu überführen.

Ähnliche Ansätze gibt es bereits – etwa ein schweizerisches System, das Emissionen in Mineralien bindet und gleichzeitig grünen Wasserstoff erzeugt. Co-reactive konzentriert sich jedoch gezielt auf zementbasierte Materialien. Das Verfahren bietet der Branche einen direkten Weg, CO₂-Emissionen zu senken – besonders wichtig angesichts verschärfter Vorschriften und steigender Kosten.

Die 6,5 Millionen Euro sollen helfen, die Technologie von der Prototypenphase zur Marktreife zu skalieren. Vor-Ort-Mineralisierungsanlagen könnten Zementherstellern eine kostengünstige, CO₂-negative Alternative bieten, während herkömmliche Ersatzstoffe knapper werden. Die ersten Industrieanlagen sollen innerhalb der nächsten drei Jahre in Kooperation mit Partnern den Betrieb aufnehmen.