Berliner Kulturkrise: Warum das Haus der Weltkulturen isoliert wird
Das Haus der Weltkulturen (HKW) in Berlin steckt seit Monaten in einer Krise, ausgelöst durch eine Reihe von Kontroversen um Künstler:innen und politischen Druck. Die unter der Leitung des kamerunischen Kurators Bonaventure Soh Bejeng Ndikung stehende Institution ist seit 2023 das erste große deutsche Kulturhaus mit einer ausschließlich nicht-weißen Führung. Doch aktuelle Entwicklungen haben es zunehmend isoliert – auch auf nationaler Ebene.
Der Konflikt eskalierte Ende 2025, als das Konzert des schwäbischen Rappers Chefket im HKW abgesagt wurde. Chefket, vom Goethe-Institut zum "Rap-Botschafter" ernannt, war zuvor von Kulturminister Wolfram Weimer kritisiert worden, weil er bei einem Auftritt ein T-Shirt mit der Aufschrift "Palästina" trug – verziert mit arabischer Kalligrafie und einer Umrisskarte Israels. Die Absage fiel zeitlich mit dem Jahrestag des Hamas-Angriffs 2023 zusammen und verschärfte die Spannungen.
Aus Solidarität mit Chefket sagten daraufhin alle anderen für das HKW gebuchten deutschen Künstler:innen ihre Auftritte ab. Der Boykott traf die Institution hart: Trotz Veranstaltungen wie einem kürzlichen Konzert des haitianischen Saxophonisten Jowee Omicil kämpft das HKW seither um die Aufrechterhaltung seines internationalen Programms. Auch das Goethe-Institut geriet unter Druck und sah sich Anfang 2026 einer Prüfung seiner Fördermittel ausgesetzt – wegen der Verbindung zu dem Rapper.
Der Satiriker Jan Böhmermann versuchte mit einer Ausstellung unter dem Titel "Die Möglichkeit des Unvernunft" auf die Notlage des HKW aufmerksam zu machen. Doch der Vorstoß verfehlte seine Wirkung, und Weimer kehrte bald in die Talkshow-Landschaft zurück. Die Bundesregierung hingegen ignoriert das HKW weitgehend – obwohl es nur wenige Schritte vom Kanzleramt entfernt liegt.
Ndikungs Programm, oft als "postkolonial" beschrieben, sorgt seit Langem für Debatten in der deutschen Kulturszene. Doch die aktuellen Auseinandersetzungen markieren das erste Mal, dass die Institution mit einem derart flächendeckenden Gegenwind konfrontiert ist – ohne dass ein einzelner Skandal die Kritik bündelt.
Die Absagen und Boykotte haben das Ansehen des HKW in der internationalen Kunstwelt geschwächt. Bei unsicherer Bundesförderung und rückläufiger Künstler:innen-Beteiligung agiert die Einrichtung nun in einer prekären Lage. Der Streit um Chefkets Auftritt wirft zudem grundsätzliche Fragen auf: Wie stark darf Politik kulturelle Räume in Deutschland beeinflussen?






