02 February 2026, 22:27

Apothekensterben in Deutschland: Warum immer mehr lokale Apotheken vor dem Aus stehen

Ein blauer Hintergrund mit weißer Schrift und einem Logo, auf dem steht: "19 Millionen Amerikaner werden geschätzte 400 USD pro Jahr an Arzneikosten sparen."

Apothekensterben in Deutschland: Warum immer mehr lokale Apotheken vor dem Aus stehen

Apothekenbesitzer in ganz Deutschland stehen unter wachsendem finanziellen Druck, da der aktuelle Reformentwurf der Ampelkoalition ihre Forderungen nicht erfüllt. Die geplante Gesetzesvorlage verschiebt Gebührenerhöhungen auf unbestimmte Zeit – für viele Betriebe bedeutet das eine weitere Belastung angesichts steigender Kosten. Allein 2023 schlossen bundesweit 497 Apotheken, sodass die Gesamtzahl von 18.068 auf 17.571 zum Jahresende sank.

Seit mehr als zwei Jahrzehnten sind die staatlich festgelegten Apothekengebühren kaum gestiegen, obwohl die Personal- und Betriebskosten um 65 Prozent explodiert sind. Die Besitzer warnen: Ohne höhere Vergütung steht mittlerweile ein Drittel aller Apotheken vor existenziellen Problemen. Zudem sieht der Reformvorschlag vor, die Pflicht zur persönlichen Anwesenheit von Apothekern abzuschaffen – ein Schritt, den Kritiker als Risiko für die Patientenversorgung bewerten.

Zusätzlichen Druck übt die unfaire Konkurrenz durch Versandapotheken aus. Diese bieten zwar keine umfassende pharmazeutische Betreuung, unterbieten aber lokale Apotheken bei den Preisen und umgehen gleichzeitig regulatorische Auflagen. Der Gesetzentwurf versäumt es zudem, die Festpreisregelung für Medikamente zu schützen – ein System, das die Verbraucherkosten stabil hält und das solidarische Gesundheitssystem Deutschlands stützt.

Besonders dramatisch ist die Lage in Bielefeld. Im Stadtteil Schildesche ist die Zahl der Apotheken von vier im Jahr 2012 auf heute nur noch eine geschrumpft. Hauke Stange, Inhaber der Adler-Apotheke und Vorsitzender des örtlichen Apothekerverbandes, informierte kürzlich Oberbürgermeisterin Dr. Christiana Bauer über die prekäre Situation. Die Apotheker forderten sie auf, sich für rechtliche Schutzmaßnahmen gegen ausländische Versandapotheken einzusetzen und die Festpreisregelung zu sichern.

Bauer signalisierte Unterstützung und versprach, sich auf Bundes- und Landesebene sowie über den Deutschen Städtetag für die Belange der Apotheken starkzumachen. Zudem will sie den Fachkräftemangel angehen, der die verbleibenden Bielefelder Apotheken belastet.

Da die Reform weder Gebührenerhöhungen vorsieht noch die Festpreise schützt, bleibt die Zukunft vieler Apotheken ungewiss. Angesichts beschleunigter Schließungen und wachsender Konkurrenz durch Online-Anbieter könnte das lokale Angebot weiter schrumpfen. Baurers Zusage, sich auf Bundesebene für die Branche einzusetzen, könnte die künftige Politik prägen – doch kurzfristige Entlastung für die kämpfenden Betriebe bleibt vorerst fraglich.